Die Pflanze des Monats Mai: Löwenzahn

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Im Frühjahr zeigen sich die Wiesen in einem leuchtend gelben Farbkleid, bestehend aus unzähligen Löwenzahnpflanzen. Allseits bekannt weist sie zahlreiche Namen auf – Ackerzichorie, Bärenzahnkraut, Bettseicher, Butterblume, Kuhblume, Märzenbusch, Milchblume, Pfaffenblume, Pusteblume, Schmalzblümlein, Seicherwurzel, Sonnenwirbelkraut – um nur einige zu nennen. Der Löwenzahn, wissenschaftlich Taraxacum officinale, gehört zur Familie der Korbblütler und kommt auf den Wiesen und Feldern der gesamten nördlichen Hemisphäre vor. Er erreicht eine Höhe von 10-30 cm. Der dunkelbraune bis schwarze, bis 50 cm lange Wurzelstock reicht tief in den Boden, ist von fleischiger Beschaffenheit und geht in eine, bis über 1 m lange Pfahlwurzel über. Auf einem blattlosen, hohlen, einen weißen Milchsaft enthaltenden Stengel sitzen leuchtend gelbe Blütenköpfchen, die nur aus Zungenblüten bestehen. Die Blätter bilden eine grundständige Rosette und sind unregelmäßig gelappt sowie stark gezähnt. Sie können kahl oder zottig behaart sein. Die Blattstiele sind meist rotviolett angelaufen. Blütezeit ist von April bis Oktober.

Eindeutig wird der Löwenzahn erstmalig in arabischen Texten des 10. und 11. Jh. genannt. Inwiefern er den antiken Heilkundigen bekannt war, ist unklar. Im Mittelalter findet Löwenzahn nur in einem schlesischen Arzneibuch mit weiteren 180 Pflanzen Erwähnung. Dagegen wird der Löwenzahn in der Renaissance unter dem Namen „rostrum porcium = Schweinerüssel“ im „Hortus sanitatis“ von Johann Prüß (1497) beschrieben; ausführlich schließlich im 16. Jh. von Bock. Fieber, Abszessen, rote Ruhr, Blutspeien, Blattern, Gliederschmerzen, Augengeschwüre und -trübungen sind genannte Indikationen, insbesondere natürlich Erkrankungen der Leber- und Gallenwege. Die gelbe Farbe der Blüten wurde als Hinweis für eine Wirkung bei Gelbsucht angesehen. Beliebt war die Pflanze als Schönheitsmittel. Löwenzahn genoss im Volk immer ein hohes Ansehen als Blutreinigungsmittel. Zur Frühjahrskur, wurden sein  Blätter als Salat, die Wurzel und das Kraut als Tee sowie die Blütenknospen als eine Art Kapern verwendet. Im Deutschen ist häufig die Bezeichnung „Löwenzahn“, bezugnehmend auf die gezähnten Blätter, oder „Kuhblume“ zu finden. In Frankreich wurde sie „Pis en lit“ genannt. Hier zeigt sich der Einsatz der Pflanze bei Bettnässern. Im Oberdeutschen nannte man sie ebenfalls sehr bildhaft „Bettpisser, Bettbrunzer“.

Der Löwenzahn wird vor der Blüte im Frühjahr, in den Monaten April und Mai gesammelt. Sein Geruch ist schwach eigenartig. Im Geschmack ist er etwas bitter und etwas süßlich. Man nutzt Löwenzahn als Tee oder alkoholische Lösung, z.B. Tinktur. Von einem Tee werden 1-2 TL (1 TL = etwa 1,2 g) Löwenzahnwurzel mit Kraut mit 1 Glas Wasser kalt angesetzt, kurz aufgekocht oder es wird 1 EL mit kochendem Wasser übergossen und etwa 10 Min. ziehen lassen. Morgens und abends 1-2 Tassen. Von der Tinktur werden 3-mal tgl. 5–20 Tropfen, von einem Frischpflanzenpresssaft 3-mal tgl. ca. 20 ml.

Löwenzahnwurzel/ -kraut enthält Bitterstoffe, Flavonoide (pflanzliche Farbstoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung), Carotinoide, Phytosterole, Inulin (pflanzlicher Reservestoff aus Kohlehydraten ohne Belastung des Blutzuckerspiegels) sowie weitere wirksame Inhaltsstoffe. Zudem liegen Mineralstoffe mit einen hohen Gehalt an Kaliumsalzen (ca. 5%)  vor.  Löwenzahnwurzel/ -kraut wirkt aufgrund der Bitterstoffe anregend auf die Gallentätigkeit. Es ist ein Amarum und fördert die Magensaftsekretion. Gleichzeitig zeigt die Pflanze einen entwässernden Effekt. Zudem wirkt Löwenzahn krampflösend und entzündungshemmend. Inulin, einer der maßgeblichen Komponenten der Wurzeldroge zeigt leberschützende Eigenschaften. Untersuchungen mit einem wässrig- alkoholischen Wurzelextrakt zeigten bzgl. der Leber eine erhöhte regenerative Kapazität sowie hemmende Effekte auf fibrotische (krankhafte Vermehrung von Bindegewebe) Prozesse. Die Funktionen von Leber, Nieren und der großen Drüsen werden gesteigert.

Eingesetzt wird Löwenzahn bei Störungen des Gallenflusses, Gallenwegsbeschwerden und Lebererkrankungen. Typische Anwendungsgebiete sind auch dyspeptische Beschwerden und Appetitlosigkeit. Auch als Antidiarrhoikum bei gallebedingten Durchfällen wird er empfohlen. Wegen eines entwässernden Effekts, der stärker als der anderer pflanzlicher Drogen ist, wird Löwenzahn bei Erkrankungen genutzt, die ein verstärktes Ausschwemmen bedürfen, z.B. bei Nierengrieß und Harnwegsinfekte. Aufgrund seines Einflusses auf das interstitielle Gewebe (Bindegewebe) und einer stoffwechselanregenden Wirkung stellt Löwenzahn in der Volksheilkunde eines der besten Mittel bei chronisch-rheumatischen Leiden dar. Der wesentliche Effekt ist der allgemeine Angriffspunkt an der Zelltätigkeit. Zudem liegt ein ausgeprägter Einfluss auf chronisch-degenerative Gelenkserkrankungen wie die Arthrose vor. Es wird immer wieder berichtet, dass bei rheumatisch Erkrankten die Schmerzzustände an Intensität und Frequenz abnehmen. Empfehlenswert ist es, im Frühjahr eine sechswöchige Kur mit Tee oder Saft durchzuführen. Im Herbst ist eine ähnliche Kur über 4–6 Wochen mit Wacholdersaft bzw. –sirup sinnvoll. Beliebt ist v.a. in den romanischen Ländern die Verwendung der frisch gesammelten Blätter in Form eines Salates. In der Volksheilkunde findet die Pflanze zudem bei Gicht, Hämorrhoiden und Stauungen im Pfortadersystem Anwendung. Aufgrund des hohen Inulingehalts (v.a. im Herbst) wird die Droge zudem bei Diabetes herangezogen. Das Kneippianum Team empfiehlt eine gewisse Vorsicht, welche bei Verschluss der Gallenwege bzw. Gallensteine anzuraten ist.

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