Die Pflanze des Monats Juni: Myrte

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Ebenfalls im Juni, wenn auch eher im mediterranen Raum, sind die Blüten der Myrte (Myrtus communis) anzutreffen. Diese Pflanze ist v.a. aufgrund ihres Öles sowie ihrer Verwendung im Brauchtum bekannt.

Aus Meerschaum geboren stieg Aphrodite, die Liebesgöttin, aus dem Meer auf, unbekleidet in vollendeter Schönheit. Um ihre Nacktheit vor den Blicken geiler sie beobachtenden Satyrn zu schützen, verbarg sie sich hinter einem Myrtenstrauch.

Die Myrte ist neben der Rose die bedeutendste Pflanze der Aphrodite, mit ihr bekränzt sie sich. Die enge Verbindung mit Aphrodite weist bereits auf das Thema, das in symbolischer Verbindung mit der Myrte steht hin: die Liebe bzw. ihre verschiedenen Schattierungen.

Bereits in der Entstehung der Myrte, wie der Mythos es darstellt, zeigt sich dieses Grundthema. Myrsine war eine wunderschöne Nymphe, die mit übermenschlichen Kräften ausgestattet war. Die Göttin Minerva liebte diese Nymphe, war aber auf ihre Eigenschaften eifersüchtig und tötete sie. Da wuchs eine Myrte aus dem leblosen Körper der Nymphe und da Minerva ihre Tat bereute, übertrug sie ihre göttliche Liebe auf den Strauch. Und seither ist sie eine Schutzpflanze für alle Liebenden.

Die Myrte ist alle Jahrhunderte hindurch seit dem Altertum die Pflanze der Bräute und der Vermählung. Die Wurzel für diesen Brauch liegt vermutlich im Vorderen Orient, der Heimat dieser feinduftenden Pflanze.

Zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft trugen junge Jüdinnen als Zeichen der Liebe und des Brautstandes Myrtenkränze. Ein ähnlicher Brauch war bei den Griechen zu finden. Am Hochzeitstag trugen die sich Vermählenden Myrten. Auch schmückte sie das Haus der Brautleute. Noch in heutigen Zeiten wird in Griechenland den Brautleuten sobald sie das Jawort gesprochen haben ein Myrtenkranz auf das Haupt gesetzt.

Die Verwendung als Brautpflanze im mitteleuropäischen Raum setzt erst verhältnismäßig spät ein. Erstmalig wird davon wird bei einer Tochter Jakob Fuggers in Augsburg berichtet, die bei ihrer Hochzeit 1583 einen Myrtenkranz, anstelle des damals üblichen Rosmarinkränzchens, getragen hat. Um einen Myrtenkranz bei der Hochzeit zu tragen, war es Sitte, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch Jungfrau sein musste. Der Myrtenkranz galt schließlich auch als ein Symbol der Jungfräulichkeit. Der Kranz ist geschlossen, wie das Hymen der Jungfrau.

Witwen hingegen, wo bereits eine Defloration stattgefunden hat trugen einen offenen Kranz. Keinen tragen junge Frauen bei der Hochzeit, wenn sie bereits empfangen haben. Hieraus erschließt sich auch die Redensart: „Der Myrte verloren haben “.

Im manchen Gegenden durften ebenfalls außerehelich geborene Bräute keinen Myrtenkranz tragen. Wird die Myrte auch mit der Ehe sowie der Jungfräulichkeit in Verbindung gebracht, so ist sie jedoch vielmehr ein verheißungsvolles Symbol der jungen, vor Erfüllung stehenden Liebe. Weniger war ein Bezug zur Jungfräulichkeit vor der Hochzeitsnacht gegeben, denn zur Verheißung auf bevorstehende Liebesfreuden.

Die Analogien der Myrte bzw. deren Früchte die Beeren sind eindeutig. Im alten Rom umkränzten die Hetären (Liebesdienerinnen) am 2. April die Bildsäule der Venus mit Myrten und Rosen und baten gleichzeitig von der Göttin die Gunst zu gefallen. In der Myrte sah man eine zur Liebe reizende Kraft. Beliebt war bei den römischen Frauen im April, dem Venusmonat, unter Myrtenbäumen zu baden um sich Jugend und Schönheit zu bewahren. In diesem Zusammenhang ist die Etymologie von April von Interesse, dass sich von „aperit“, was „der Monat, der alles öffnet“ bedeutet, ableitet. Bildhaft zeigt sich die Beziehung der Myrte zur Liebe bei Eros, der Sohn Aphrodites und Adonis, der trotz seiner Nacktheit stets einen Myrtenkranz trug.

Wo die Liebe zu finden ist, ist auch die Macht nicht allzu weit entfernt. M. von Strantz sah dies anschaulich in der Myrte dargelegt über die er schrieb: „Wie die Liebe will auch die Myrte ganz allein das Terrain beherrschen, dessen sie sich einmal bemächtigt hat; ihre langen Wurzeln verbannen vollständig jede andere Pflanze aus ihrer Nähe“. Die Myrte war ein Machtsymbol. Siegreiche Triumphatoren kränzten sich beim Einzug in der Stadt mit Myrten. Wobei die Myrte als Symbol eines unblutig errungenen Sieges (im Gegensatz zum Lorbeer) galt.

Die Myrte gehört zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Ihre Heimat ist unbekannt. Anzutreffen ist sie im Mittelmeergebiet bis zum Nord- West. Himalaya. Die immergrüne, buschige Pflanze bzw. kleiner Baum wird bis zu 5 m hoch. Sein Äste sind gegenständig angeordnet mit vierkantigen, rutenförmigen Zweigen, an denen  paarweise kreuz- oder quirlständig eirunde- bis lanzettliche, zugespitzte, kahle, lederartige, ganzrandige Blätter, von 1-3 cm Länge stehen. Die gelben, mittelgroßen Blüten sind gestielt und stehen achselständig. Als Früchte entwickelt die Myrte erbsengroße Beeren von schwarz- bläulicher oder weißer Farbe. Sie haben einen würzig- süßen Geschmack.

Aus den Früchten und Blättern wird das Myrtenöl gewonnen. Es ist reich an wohlriechenden Komponenten, u.a. das Myrtol. Wirksam ist das Öl gegen Bakterien und Pilze. Zudem löst es effektiv den Schleim und fördert das Abhusten. Es ist geeignet bei akuten und chronischen Erkrankungen der Atemwege. In der Volksheilkunde wird es ferner bei Erkrankungen der Harnblase verwendet.

Myrtenöl äußerlich aufgetragen, in Form von Massagen, wie zum Beispiel im KneippSPA in Bad Wörishofen, dienen abgesehen von der guten Wirkung auf die Atemwege, der Entspannung und dem körperlichen Wohlbefinden. Es wirkt schmerzlindernd und antirheumatisch. Die Muskulatur des Körpers entspannt sich. Tja und vielleicht begegnet einem dabei auch noch Aphrodite oder Amor und überreicht einem ein Myrtenkränzchen.

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