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"Vergesst mir die Seele nicht"

(Pfarrer Sebastian Kneipp)

Wie oft wird die Seelenlage unterschätzt, Signale werden kaum wahr genommen oder ignoriert.

Die kneipp´sche Gesundheitslehre will eine Lebensweise aufzeigen, in der Körper, Geist und Seele eine Balance zueinander finden. Gehen Sie auf Ihre eigene Spurensuche...

Die Seele nährt sich von dem, an dem sie sich freut.

... gehen Sie auf Ihre eigene Spurensuche.
Nähren Sie Ihre Seele bei unseren abendlichen Kerzenlichtmeditationen, bei den "Atempausen für die Seele" und bei unseren Gottesdiensten (täglich um 17.15 Uhr und sonntags um 9.00 Uhr). 


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Die Ordnung liegt im Maß

Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung lese ich in der Friedhofsgedenkstätte von Pfarrer Kneipp. Beim letztgenannten Begriff erinnere ich mich an seine Aussage: „Die Ordnung liegt im Maß".

Umgangssprachlich begegnet uns das Maß sehr häufig: Maß nehmen, mit Augenmaß, dermaßen, die Maß und der Maßkrug usw. Maß bezieht sich auf Menge, auf Messen, hat mit Grenzen, genauer gesagt „mit vernünftigen Grenzen", mit Beschränkung, Verzicht zu tun. So betrachtet also Begriffe, die nicht „in", die unzeitgemäß sind.

Freiheit ist die große Errungenschaft unserer Zivilisation, ihr Radius wird immer größer und weiter, Regeln und Gebote auf ein Minimum reduziert. In unserer Konsum- und Leistungsgesellschaft zählen Leitbegriffe wie: Weiter, schneller, höher, immer mehr, noch mehr... Ernst Hemingway: „Wir lieben alle Extreme, weil uns das Maß zur Mitte fehlt".

Maß und Ordnung bedingen sich gegenseitig. Ihr Fehlen war oft die Ursache für Kriege und militärische Auseinandersetzungen, für Streit unter Nachbarn oder Familienmitgliedern.

Wer könnte bezweifeln, dass die Finanzkrise, die Schwindel erregenden Schuldenberge der Staaten nicht jedes rechte Maß sprengt? Leben auf Pump, Schulden machen, sich verschulden - weite Kreise in unserer Gesellschaft schrecken davor nicht mehr zurück. Ludwig Erhard, der „Architekt" des Wirtschaftswunders mahnte bereits in den 60-iger Jahren zum Maßhalten.

In einem Interview sprach Kardinal R. Marx einmal von der „Spiritualität des Maßes".„Es geht darum, wie wir leben wollen, es geht darum Maß zu halten". Natürlich brauchen wir den gesunden Ansporn, den Wettbewerb, sonst gäbe es keinen Fortschritt.

Was aber ist das rechte Maß ?

Erstaunlich ist, dass im Orden, der das Abendland über Jahrhunderte hindurch maßgeblich geprägt hat, und heute noch weltweit - nicht nur missionarisch - tätig ist, das „rechte Maß", als „Leitmotiv der Ordensregel" gilt. An ihm orientieren sich alle Lebensbereiche der Mönche: „Arbeit und Gebet, Bewegung und Ruhe, Speisen und Getränke, Mahl- und Fastenzeiten, Handarbeit und Lesung, Schweigen und Reden. Alles soll im rechten Maß vorgenommen werden". Ob Pfr. Kneipp, der ja ganz in der Nähe einer großen  Benediktiner-Abtei - Ottobeuren - aufgewachsen ist von dieser Lebensweise inspiriert wurde? Oder aber durch ein karges Leben dazu gezwungen wurde?

Jedenfalls benennt er alle Bereiche des Lebens und sagt: "Jedes Zuviel, aber auch jedes Zuwenig - auf Dauer - ist Ursache dafür, dass der Körper mit Krankheit reagiert.".

Maßhalten ist nicht gleichzusetzen mit Askese, Verzicht um des Verzichtes willen, sich des Lebens nicht mehr freuen dürfen. Im Gegenteil die Mäßigung befähigt uns erst zum vollen Genießen. Welch ein Genuss, ein Glas Wein trinken, statt im Übermaß und dabei gar nicht mehr wahrnehmen, wie köstlich er schmeckt. „Das Maßhalten lässt uns Herr bleiben über unsere Genüsse, anstatt ihrer Sklaven zu werden" sagt P. Altherr.

Es bleibt eine lebenslange Aufgabe, die sich nicht auf unsere existentiellen Bedürfnisse beschränkt. Im täglichen Zusammensein fordert es Respekt und Achtung vor der Würde und dem Wert des andern, sowie der Natur und Umwelt. Sorgsamer Umgang statt grenzenlose Ausbeutung, wie in den Regenwäldern des Amazonas, hilft unsere Lebensräume zu schützen und das „rechte Maß" zu wahren.

Zur Ordnung  finden wir nur, mit einem vernünftigen Maß von Arbeit und Erholung, wenn die Arbeit nicht zum alleinigen Mittelpunkt des Tages oder des ganzen Lebens wird, den Tag strukturieren, Abstand suchen und so zu innerer Ausgeglichenheit und Ruhe finden.

Die Ordnung liegt im Maß - eine Einladung für unsere eigene Lebensführung, sicher auch eine Herausforderung in unserer Wohlstandsgesellschaft.

Es dient  nicht nur der Gesundheit für unseren Körper, sondern führt zur Freiheit. Sie  befreit uns von vielen Zwängen, vom sog. „Mainstream". Es lässt uns nicht zu Sklaven unserer Wünsche, unserer Bedürfnisbefriedigung werden, unterwirft uns nicht einem ständigen „Konsumzwang", auch wenn wir dazu ständig ermuntert werden, damit die „Wirtschaft angekurbelt wird", und wächst. Das rechte Maß lässt uns Geschmack finden daran, dass, so unverzichtbar materiellen Güter sind, sie doch nicht alles sind, wofür sich zu leben lohnt, dass sie allein nicht als Maßstab unserer Lebensqualität gelten.

Ordnung und Maß - ein Weg in die Freiheit, eine unserer wertvollsten Fähigkeiten, die uns zu dem macht, was wir eigentlich sind: Menschen, die abwägen und entscheiden, die Maßhalten können, d.h. zwischen Zuviel und Zuwenig die Mitte, die Balance finden.

Ein gutes Gelingen und Freude! 
Sr. Waldefried Gail

  

"Die Ordnungstherapie ist keine Psychotherapie"

von Schwester Waldefried Gail, Oberin der Mallersdorfer Schwestern im Kneippianum (veröffentlicht in der Bad Wörishofer Gästezeitung, April 2011)

"Halte Ordnung, liebe sie, sie erspart dir Zeit und Müh." - Kennen Sie diese Ermahnung aus Kindertagen? Haben Sie vielleicht noch die Stimme der Mutter im Ohr? Tischabräumen, Zimmer aufräumen, Schulsachen in Ordnung brinngen ... Ordnung eher negativ besetzt? 

Hier in Bad Wörishofen besitzt Ordnung einen hohen Stellwert. Sie ist eine der 5 Säulen der Kneipptherapie. "Vermarktet" wird sie allerdings mit Formulierungen wie "Innere Balance", "seelisches Gleichgewicht", "Harmonie", "Wellness für die Seele", "Einklang von Körper, Geist und Seele" und ähnlichen Bezeichnungen. Kommt darin zum Ausdruck, was Pfr. Kneipp unter der sogenannten 5. Säule seiner Therapie verstand? Was ihm wichtig dabei war? Zitiert man bei Gästebegrüßungen seinen bekannten Ausspruch: "Erst als ich in die Seelen meiner Patienten Ordnung brachte, hatten meine Therapien Erfolg" erfährt man erwartungsvolle Aufmerksamkeit oder verständnisvolles Kopfnicken und Zustimmung.

"Die Ordnung liegt im Maß"

Was erwarten sich die Gäste? Es wäre bestimmt zu eng gedacht, - weil Pfr. Kneipp Priester war - das Ordnungsprinzip auf das Spirituelle zu reduzieren. Er selbst sagt: "Die Ordnung liegt im Maß", in Maßen da ist unser reales Leben angesprochen mit seinen existentiellen Bedürfnissen und Verhaltensweisen. Wer wollte annehmen, dass hier Ordnung fehl am Platz ist? Wir brauchen für unseren Alltag Struktur und Rhythmus, die "Stützpfeiler" der Ordnung. Sie entlasten uns. Man verliert sich nicht in Nebensächlichkeiten. J.W. Goethe: "Gebraucht die Zeit, sie geht so schnell von hinnen, doch Ordnung lässt euch Zeit gewinnen." Auch im mitmenschlichen und beruflichen Leben ist Ordnung unverzichtbar. Sie bedeutet vor allem Verlässlichkeit: Absprachen, Termine, Vereinbarungen werden eingehalten, die Arbeit zuverlässig verrichtet usw. Die Ordnung wird als "Kernstück" der Kneipp'schen Gesundheitstherapie bezeichnet. Doch würden wir Pfarrer Kneipp nicht gerecht, wenn wir Ordnung allein als äußere, organisatorische Angelegenheit betrachteten. "Ordnung in die Seelen" bedeutet, dass ich mir meiner geistig/seelischen Verfassung bewusst bin, dass ich auf den "inneren Menschen" achte. Dies setzt voraus zur Ruhe kommen, zu sich selbst finden. Viele Menschen verlieren sich in Äußerlichkeiten, vielleicht weil sie ihren Schattenseiten nicht begegenen, sich vom "inneren Rucksack" mit seinem Ballast nicht trennen wollen oder können. Ordnung in der Seele kann nur gelingen, wenn ich mich dem stelle, was mir Energie und Lebensfreude nimmt wie unerledigte Geschäfte, unangenehme Auseinandersetzungen, nicht geklärte Beziehungen usw.

Die spirituelle Dimension

Die Ordnungstherapie hat viele Facetten. Der tiefste und eigentliche Sinn der Ordnungstherapie jedoch liegt in der religiösen, der spirituellen Dimension des Menschen. Sie ist keine Psychotherapie, sondern gründet im Glauben an Gott, den Schöpfer der Welt und allen Lebens. Die ersten Seiten der Bibel - die ja nicht die Entstehung der Welt naturwissenschaftlich erklären wollen - sind geradezu ein Hymnus auf Gottes schöpferisches Wirken, das in das Chaos, in das "Tohuwabohu" Ordnung bringt und damit Leben ermöglicht, Leben schafft.

Der Mensch ist Teil dieser Schöpfung, befähigt, selbst schöpferisch tätig zu sein in Beziehung zu seinem Schöpfer. Diese Beziehung konkretisiert sich für ihn in der Gestaltung seines Lebens nach Gottes Geboten. Leider werden diese von vielen unserer Zeitgenossen als Einengung und Bevormundung abgetan. Welch armseliges Gottesbild einer Vorstellung, Gott bräuchte unser Wohlverhalten, unsere Leistungen! Richtig verstanden sind sie Ausdruck unserer freien, liebenden Beziehung zu unserem Schöpfer, dem personalen Gott, wie er in der Person Jesu Christi erfahrbar war und ist. Gott ist ein Du, ein Gegenüber. Er nimmt mich als Person ernst. Darin liegt meine Würde und meine Verantwortung. Ist Gott - nach Ansicht mancher Zeitgenossen - pure "Energie", was ist dann der Mensch? Findet er in der Unverbindlichkeit, der Beliebigkeit sein Glück?

Was ist Heil?

Pfr. Kneipp spricht vom "Heil der unsterblichen Seele, für das er leben, arbeiten und sterben will". Heil? Heil ist nur Gott und letztlich allein in ihm zu finden, er allein kann uns von Verwundungen und Verletzugnen heilen. Mögen auch noch so viele "Heils-Angebote" auf dem esoterischen Markt angepriesen werden. Mögen in der pluralistischen Gesellschaft unserer Zeit verschiedene "Lebens Ansichten" verbreitet sein zwischen denen der Mensch wählen kann. Es bleibt eine tiefe Sehnsucht - vielleicht ist sie "Gottes unaufdringliche Art, sich in Erinnerung zu halten, wenn wir Gefahr laufen, ihn zu vergessen" (M. Broch). Nach der christlichen Weltanschauung wird der Mensch "heil", wenn er versucht, in der gottgewollten, seiner Natur immanenten Ordnung zu leben: "Wandle vor mir und sei ganz" Gen. 17,1. So verstanden, kann zurecht von Ordnungs-Therapie gesprochen werden.

Struktur und Rhythmus

Letzlich ist auch die metaphysische Deutung der Ordnung keine formale Angelegenheiot, sondern zielt darauf, dass in die Beziehung zu Gott Struktur und Rhythmus kommt, sie also nicht von Stimmung, Lust und Laune abhängig ist. Wie in jeder Beziehung bedarf es der Beständigkeit in den täglichen Herausforderungen oder in der alltäglichen Monotonie. Auch hier entlasten Rituale, ohne dass sie zur leeren Routine, zur leblosen Gewohnheit werden. Hinzu kommt, dass ich in meinem religiösen Leben der Stütze anderer Menschen bedarf und sie erfahre. "Der Glaube lebt vom Glauben der anderen" sagt Karl Rahner.

Die im Menschsein verborgene Ordnung Gottes, seine führende Hand schenkt mir bergende Gewissheit, Fundament und Halt und befähigt mich zu einer Positiven Lebenseinstellung, macht mich offen und präsent für Mitmenschen und Mitwelt und schenkt mir Kraft und Freude für das, was das Hier und Heute erfordert. 

 


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