Schlagwort

Heilen mit Pflanzen

gewürznelke

Die Pflanze des Monats Januar: GEWÜRZNELKEN

Würziger Begleiter in der Winterküche und in der Heilkunde

Würziger Duft, süßer, leicht scharfer Geschmack: Nelken sind aus Weihnachtsbäckereien wie Lebkuchen und typischen Wintergerichten und -getränken nicht wegzudenken. Gebissen auf diese kleinen, harten Nägelein entfalten sie einen intensiven würzigen und leicht brennenden Geschmack. Doch in der Gewürznelke schlummern noch andere Potentiale: Sie gilt zum Beispiel als Wundermittel bei Zahnschmerzen. Warum das so ist, dazu kommen wir gleich. Doch zunächst sehen wir uns an, woher Nelken stammen, wie sie angebaut werden und welche Inhaltsstoffe sie auszeichnen.

Pflanzenkunde: Gewürznelken

 

Gewürznelken sind die Knospen des Gewürznelkenbaums (Syzygium aromaticum), die nach dem Pflücken in der Sonne oder gelegentlich in Metallpfannen über einem leichten Feuer getrocknet bis sie sich rötlich- braun färben werden. Sie sind vom Geruch würzig und süß. Die Ernte findet gewöhnlich zweimal im Jahr (Juli bis Oktober und Dezember) statt. Therapeutisch wird zumeist das Öl, das von klarer gelber bis brauner Farbe ist, genutzt. Es besitzt eine stark phenolische, auf Eugenol basierende Aromatik. Hauptlieferländer sind Tansania, Madagaskar, die Komoren und Malaysia.

 

Ein Gewächs der Tropen

Der Gewürznelkenbaum gehört zu den Myrtengewächsen (Fam. Myrtaceae) und ist auf den Molukken und den Philippinen beheimatet. Ursprungszentrum ist die vulkanische Inselkette von Ternate, Tidori, Mare, Moti und Makian, die westlich von Neu- Guinea liegen. In dieser Region sind auch heute noch wilde Gewürznelkenbäume anzutreffen. Ansonsten wird der Baum in vielen tropischen Regionen der Welt angebaut.

Vorkommen

Gewürznelken in der Natur

Die Früchte des Gewürznelkenbaums vor der Ernte (c) wikipedia

Die Pflanze bevorzugt nährstoffreichte, gut durchfeuchtete, aber wasserdurchlässige Böden. Der Gewürznelkenbaum ist ein ca. 10–20 m hoher, immergrüner, schlanker Baum mit einem Stammdurchmesser bis 40 cm. An seinen Ästen trägt er gegenständig angeordnet eiförmige, ganzrandige, ca. 5–15 cm lange ledrige Blätter, die durchscheinend punktiert sind. Die radiären in dreiteiligen Schirmrispen angeordneten, gelblich-weißen, ca. ½ cm großen Blüten wachsen aus den Blattachseln. Der Gewürznelkenbaum bildet 2,5-3 cm lange und bis 1,5 cm breite, einsamige Früchte aus. Die Gewürznelken sind die von Hand gepflückten, noch nicht entfalteten und anschließend getrockneten Blütenknospen.

Schon in der Ayurveda bekannt

Eine Beschreibung der Gewürznelken ist bereits in einem ayurvedischen Buch 1500 v. Chr. zu finden. Die Gewürznelken kamen im 4. Jh. mit den Arabern nach Europa und waren bereits 300 Jahre später ein wichtiger Bestandteil im damaligen Heilmittelschatz. Man nahm an, dass sie Herz, Haupt und Magen stärken. Sie galten in früheren Zeiten (gemäß der Säftelehre) wärmend und trocknend. Man nahm sie daher z.B. bei Ohnmachten, bei Rohigkeit des Magens, Schwindel, kalten Hirnkrankheiten, schwachem Gesicht sowie zur Vertreibung böser Mutterkrankheiten. Heute sind die Gewürznelken als Küchengewürz, für Kräuterkissen und aromatische Bäder beliebt.

Zur Bezeichnung der Nelken

Die Gattungsbezeichnung „Syzygium“ ist vom griechischen „Syzygios = gepaart, vereinigt“ abgeleitet, da die Blütenblätter zu einer Haube vereinigt sind. „Aromaticum“ kommt vom griechischen „aromaticos“ und „aroma = Gewürz, wohlriechendes Kraut“. Die deutsche Bezeichnung „Nelke“ ist abgeleitet von Nagel, bezugnehmende auf Finger- und Fußnägel; die Knospen erinnern in der Form an Nägel. Verwandte Worte sind in nahezu allen indoeuropäischen Sprachen zu finden.

Inhaltsstoffe von Gewürznelken

Nelken in der Verwendung als Gewürz

Getrocknete Nelken (c)
Thinkstock/iStockphoto

Gewürznelken enthalten 15–22% ätherisches Öl, u.a. mit der Hauptkomponente Eugenol (70–95%). Weitere Inhaltsstoffe sind 8–14% Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate und Flavonoide, Phytosterole, etc. Gewürznelken wirken antimikrobiell bzw. antiseptisch sowie lokalanästhetisch und krampflösend. Die Wirkung dürfte v.a. auf dem ätherischen Öl beruhen. Für Nelkenöl wurde eine antibakterielle Aktivität gegen mehrere Keime, u.a. gegen Escherichia coli, nachgewiesen. Eine Wirkung ist auch für Helicobacter pylorii sowie pathogenen Mundbakterien belegt. Wässrige Extrakte der Gewürznelken wirken antiviral. Die antifungale Wirkung bezieht sich auf Sprosspilze wie Aspergillus niger und Candida albicans. Für Eugeniin, einer Gerbstoffkomponente ließ sich ein antiviraler Effekt (Herpes-simplex-Viren) nachweisen.

Kleine Knospe mit heilender Wirkung

Das ätherische Öl hat lokalanästhetische und spasmolytische Eigenschaften. Gleiches gilt für die Droge, wenn auch in schwächerer Ausprägung. Nachgewiesen, wurden entzündungshemmende und ausgeprägte antioxidativen Eigenschaften. Gewürznelken sowie ihr ätherisches Öl haben möglicherweise eine protektive Wirkung bei Zufuhr von karzinogenen Stoffen. Gewürznelken wirken aufgrund ihres aromatischen Geschmacks appetitanregend und verdauungsfördernd. Das ätherische Öl und Eugenol wirken blähungswidrig. Vermutlich wird auch der Gallenfluss angeregt. Hinweise liegen für eine antidiabetische Wirkung, die auf einem Insulin-ähnlichen Effekt beruht.

Das ätherische Öl soll ferner beruhigende Eigenschaften besitzen. Eugenol hemmt in Untersuchungen die gefäßkontrahierende Wirkung von Noradrenalin und Histamin. Sympathikus- Reize werden abgemildert. Als weitere Wirkung wurde in Untersuchungen für Gewürznelkenöl sowie Eugenol ein hemmender Einfluss auf die Melaninbiosynthese (Farbpigmente der Haut) nachgewiesen. Möglicherweise ist hier zukünftig eine therapeutische Option zur Behandlung von Hyperpigmentierungen gegeben.

Ein natürlicher Helfer bei Zahnschmerzen

Gewürznelkenöl wird bei Entzündungen des Mund- und Rachenbereichs und zur lokalen Schmerzstillung in der Zahnheilkunde eingesetzt. Zudem wird es bei Myalgien (Muskelschmerzen) und rheumatischen Beschwerden (alkoholische Lösungen) angewendet. Das Nelkenöl wirkt gegen Mücken und Schaben. Aufgetragen auf einen Mückenstich vermindert es die entzündliche Reaktion.

In der Volksheilkunde wird eine schmerzlindernde Wirkung für die äußerlicher Anwendung bei Kopfschmerzen beschrieben. Möglicherweise ist auch ein Effekt bei Migräne gegeben. Abkochungen werden wegen ihrer adstringierenden Wirkung bei Blähungen und Diarrhö eingesetzt. Möglichweise kann Gewürznelkenöl bei Magengeschwüren hilfreich sein. Nachgewiesen wurden zumindest ein vorbeugender Effekt auf die Entstehung von Magengeschwüren sowie ein fördernder Einfluss auf deren Ausheilung. Dieser beruht auf einer Förderung der Schleimproduktion des Magens. Gewürznelken werden außerdem eingesetzt bei dyspeptischen Beschwerden sowie bei üblem Mundgeruch. Nelkenöl wird auch bei Brechreiz (Einzeldosis 0,05–0,2 ml) verwendet.

Nebenwirkungen: In konzentrierter Form ist eine Gewebereizung möglich. Gelegentlich kann es zu allergischen Haut- und Schleimhautreaktionen kommen.

Droge und Dosierung

Gewürznelken (Caryophylli flos). Gewürznelkenöl (Caryophylli aetheroleum). Positiv-Monographie der Kommission E. Gewürznelkenöl existiert in 3 verschiedenen Handelsformen – Nelkenblütenöl (Caryophylli floris aetheroleum Ph. Eur.), aus den getrockneten Blüten, Nelkenstielöl, aus den an den getrockneten Knospen sich befindenden Stielen, und dem von den Blättern des Baumes stammenden Nelkenblätteröl.

Die Dosis in Mundwässern entspricht 1–5% ätherischem Öl und ist für Erwachsene geeignet. Salben enthalten 10% ätherisches Öl.

Rezept: orientalischer Tee mit Nelken und Milch

Erwärmen Sie einen Liter Milch und geben Sie 4 EL losen, schwarzen Tee hinzu. Lassen Sie den Tee ca. 5 Minuten ziehen und geben Sie 1 TL Zimt, 4 Nelken und 1 Messerspitze Kardamom hinzu. Nach Belieben mit Honig, Agavendicksaft oder Rohrohrzucker süßen. Das Getränk absieben und servieren. Wärmt hervorragend an kalten Winterabenden.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum

Die Pflanze des Monats November: Süßholzwurzel

Die Pflanze des Monats November: Die Süßholzwurzel

Süsses Heil- und Nahrungsmittel

Im Spätherbst wird eine Pflanze, genauer gesagt deren Wurzel, gesammelt, die nahezu jedem bekannt ist. Kinder essen sie sehr gerne, wenn auch zumeist in aufbereiteter Form, wie beispielsweise als Süßigkeit oder auch in Tee. Ihr Geruch ist schwach, aber charakteristisch. Ihr Geschmack ist sehr süß und leicht aromatisch. Es handelt sich um die Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra), bekannt als Lakritze. Doch nicht nur als Nahrungsmittel, sondern besonders aufgrund ihrer Wirkung auf die Gesundheit wird das Süßholz seit Jahrtausenden geschätzt und angewandt.

Vorkommen und Charakteristika

Anzutreffen ist die Pflanze, die zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) gehört, auf grasigen Plätzen und in lichten Gebüschen im Mittelmeergebiet, in Mittel- bis Südrussland sowie Kleinasien bis Persien. Es handelt sich beim Süßholz um eine ca. 1–1,5 m hohe, holzige Staude von längerer Lebensdauer, die bis ca. 15 Jahre lang hält. Sie besitzt ein ausgedehntes Wurzelsystem, das bei älteren Pflanzen von einem braunen bis dunkelbraunen Kork umgeben ist. Jährlich treibt die Pflanze eine Anzahl aufrechter ästiger Zweige aus, an denen unpaarig gefiederte, 10-20 cm lange Blätter mit 9–17 oval bis herzförmigen Fiederblättchen sitzen. Die 20–30 blauen bis lilafarbenen, aus den Blattachseln entspringenden Schmetterlingsblüten gruppieren sich zu Blütentrauben. Blütezeit ist der Frühsommer.

Geschichte der Heilpflanze

Die Süßholzwurzel ist eine Droge von großer Bedeutung mit weit in die Vergangenheit zurückreichender Tradition. Ihre Verwendung, überliefert seit dem Altertum, findet sowohl im europäischen, als auch asiatischen Kulturraum statt. Die ersten medizinischen Hinweise stammen aus Assyrien, lange Zeit vor Christi Geburt. Bei Griechen und Römern wurde sie schon damals bei Husten und Atemwegserkrankungen empfohlen.

Plinius nennt sie zudem als Mittel gegen Hunger und Durst sowie auch für Fälle von Sterilität. Erwähnenswert ist in diesem Rahmen die Verwendung von Süßholzwurzel in Japan in Verbindung mit Pfingstrose um bei Frauen den Eisprung auszulösen. Die Süßholzwurzel weist einen hohen Stellenwert in der Volksheilkunde Ostasiens auf. Sie ist eine wichtige Pflanze in der traditionellen chinesischen Medizin. Im Shen-Nung-Pen-Cao-Cing, einer medizinischen Schrift im China des 1. Jh. N. Chr. wurde sie in der Liste der wertvollen Pflanzen geführt, die als ungiftig und lebensverlängernd galten.

Wirkung und gesundheitliche Vorteile

Ihre Wirkung wurde als Muskulatur und Knochen stärkend, die Haut glättend und als antidotierend beschrieben. Im Altertum wurde die Süßholzwurzel auch als „skythische Wurzel“ bezeichnet, da sie von den Skythen (ein Reiternomadenvolk im 7/8. Jhd. an der nördlichen Schwarzmeerküste) nach Griechenland gebracht wurde. Diese nutzten die wasserretinierende Wirkung der Pflanze bei der Durchquerung von Wüsten. Ihre Bedeutung als Heilpflanze ist in mehreren deutschen Kräuterbüchern des Mittelalters erwähnt. Im Vordergrund der Anwendung standen immer die Atemwegserkrankungen, einschließlich der Tuberkulose.

Was steckt in der Süßholzwurzel?

Süßholzwurzel wirkt aufgrund ihrer Inhaltsstoffe (Triterpensaponine, v.a. Glycyrrhizin, Flavonoiden, etc.) – beschrieben wurden ca. 400 Komponenten – entzündungshemmend, schleimlösend, auswurffördernd, krampflösend, schleimhautprotektiv, antiulzerogen sowie hepatoprotektiv. Hinzu kommen antivirale und antibakterielle Eigenschaften.

Die antientzündliche Wirkung ist sehr ausgeprägt und umfasst mehrere Wirkmechanismen, u.a. greift sie in den Kortisonstoffwechsel ein. Der Effekt ist vergleichbar mit manchen schulmedizinischen entzündungshemmenden Schmerzpräparaten (NSAR, wie Indometacin). In diesem Rahmen zeigen sich bei der Pflanze auch antiallergische und antiasthmatische Eigenschaften. Bestimmte Inhaltsstoffe der Pflanze (Flavonoide) besitzen zudem beträchtliche Radikalfängereigenschaften. Gleichzeitig wirken diese krampflösend.

Anwendung in der Medizin als Naturheilmittel

Die Süßholzwurzel löst Schleim und erleichtert das Abhusten. Aus dem genannten erschließen sich als mögliche Anwendungsgebiete Atemwegserkrankungen, einschließlich Asthma bronchiale.
Im Magen werden die Sekretion von Magensäften vermindert sowie die Schleimhautbarriere verbessert. Die keimhemmende Wirkung der Süßholzwurzel richtet sich auch gegen Helicobacter pylorii, jenen Keim, der für viele Magengeschwüre verantwortlich ist. Sind solche bereits eingetreten, kommt es zu einer rascheren Abheilung. Der ausgeprägte schleimhautprotektive Effekt im Gastrointestinaltrakt wirkt sich auch bei medikamenteninduzierten Schleimhautschäden günstig aus: durch Acetylsalicylsäure (ASS) hervorgerufene Schleimhautschäden werden reduziert.

Das Wirkprofil der Süßholzwurzel weist außerdem eine schützende Wirkung gegenüber leberschädigenden Stoffen auf. Mögliche Anwendungsbereiche sind auch chronische Hepatitis B und C. In sämtlichen Studien ist hier ein Absinken erhöhter Leberwerte (GPT und GOT) belegt. Im ostasiatischen Raum werden bestimmte Extrakte als Infusionstherapie bei der chronischen Hepatitis und der Leberzirrhose eingesetzt.
Zudem wurde für einen bestimmten Inhaltsstoff der Pflanze eine nachhaltige Wirkung auf die Gehirnleistung älterer Männer nachgewiesen.

Weitere Informationen zur Therapie mit Süßholzwurzel

Süßholzwurzel ist besonders geeignet zur Therapie der Ulkuskrankheit des Magens und Duodenums. Eine Anwendung ist auch zur unterstützenden Behandlung bei krampfartigen Beschwerden im Rahmen einer Gastritis oder dem Reizmagen möglich. Die Süßholzwurzel ist aufgrund ihrer auswurffördernden und entzündungshemmenden Wirkung auch bei Katarrhen der oberen Luftwege sowie Husten, Bronchitiden und Asthma bronchiale indiziert. Ein mögliches Einsatzgebiet besteht ferner bei Hauterkrankungen wie dem atopischen Ekzem (Neurodermitis). In diesem Fall werden bestimmte Salben eingesetzt. Dies gilt auch bei Herpes-simplex-Infektionen. Zubereitungen mit Süßholzwurzelextrakten sind geeignet zu Vermeidung von Hautirritationen und entzündlichen Hautveränderungen.

Zu beachten ist jedoch, dass es bei längerer Anwendung aufgrund einer wasserspeichernden Wirkung zu einer vermehrten Flüssigkeitseinlagerung kommen kann. Bei Lebererkrankungen aufgrund von Gallestauungen, Leberzirrhose, Bluthochdruck, Hypokaliämie, schweren Nierenfunktionsstörungen und Schwangerschaft sollte eine längere Therapie unterlassen werden.

Die mittlere Tagesdosis beträgt für Erwachsene ca. 5–15 g Droge, entsprechend 200–800 mg Glycyrrhizin. Vom Süßholzwurzelsaft werden bei Katarrhen 1,5–3,0 g bei Ulcus ventriculi/duodeni bzw. 0,5–1 g eingenommen.

Süßholztee

Süßholz wird oft als Beigabe in Beuteltees genossen. Hochwertiger ist es allerdings, den Tee direkt aus Süßholzwurzel aufzugießen. Sie bekommen Süßholz beispielsweise in geraspelter Form in Apotheken und gut sortierten Drogerien. Für einen Süßholz-Tee übergießen Sie ein bis zwei Teelöffel pro Tasse mit kochendem Wasser und lassen den Tee ca. 10-15 Minuten ziehen.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum

Kuerbis450

Die Pflanze des Monats Oktober: Der Kürbis

Vielseitiges Nahrungs- und Heilmittel

Man sieht sie wieder liegen, am Straßenrand oder in den Gärten – große, sehr große, orangene Früchte. Es ist wieder die Zeit des Kürbis (Cucurbita pepo).

Botanische Merkmale

Der Kürbis, aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), stammt aus Mexiko und Texas und wurde von den Spaniern nach Europa gebracht. Die einjährige Pflanze bildet niederliegende, bis 10 m lange, scharfkantige oft längsgefurchte Ranken aus. Ihre großen, fünflappigen, gestielten Blätter sind borstig behaart und haben einen gesägten Rand. Die getrenntgeschlechtlichen Blüten sind groß und leuchtend gelb mit trichterförmiger Korolle. Blütezeit ist Juni bis August.

Die riesigen kugeligen Früchte mit einem Durchmesser von 15-40 cm gehören botanisch zu den Beeren. Sie enthalten zahlreiche Samen, die medizinisch genutzt werden. Die Gestalt des Kürbisses umfasst verschiedenartigste Formen und Farben. Das Fruchtfleisch ist faserig und gelborange. C. pepo ist sehr formenreich. Es liegen zahlreiche Varietäten vor.

Der Kürbis: seit tausenden Jahren kultiviert

Der Kürbis gehört zu den ältesten indianischen Kulturpflanzen. Die frühesten Nachweise des gemeinen Kürbis stammen aus Südmexiko und werden auf eine Zeit um 10.000 v. Chr. datiert. Die Indianer züchteten aus den sehr bitteren birnengroßen Wildkürbissen wohlschmeckende Früchte.

Nahrungsmittel und Medizin

Für die Azteken war der Kürbis neben Bohnen und Mais eines der wichtigsten Nahrungsmittel. Nach Europa kam er kurze Zeit nach der Entdeckung Amerikas. Erstmalig wird er bereits 1523 im Kräuterbuch des Leonhard Fuchs beschrieben.

Verwendet wurden bzw. werden medizinisch die Kürbiskerne – bei innerem Gebrechen, Nierenentzündungen, Lebersucht, Harnwinde und Blasenleiden. Zudem wurden die Kerne zur „Wachstumsanregung des frischen Fleischs“ in Wunden eingestreut.

Der Kürbis und das Brauchtum

Nachdem der Kürbis im europäischen Kulturraum auftauchte, hielt er auch im Brauchtum Einzug. Häufig bezogen sich die Bräuche auf die Größe der Frucht. Da die Pflanze große Früchte ausbildet war es naheliegend noch größere zu wollen. Zu diesem Zweck steckte man die Samenkerne an Himmelfahrt wenn die Glocken läuten in die Erde, damit sie so groß wie Glocken werden. Es existierten noch verschiedene andere Prozeduren um ein „großfruchtiges“ Ergebnis zu erzielen.

Die Größe der Frucht eignete sich hervorragen zur Symbolbildung – als ein Symbol für Wohlstand, Überfluss und Potenz. Jedoch sah man in ihm – hohl und ohne langen Bestand – auch ein Bild für einen Emporkömmling, der rasch wieder in seinen minderen Stand zurückfällt. Ebenso war er ein Symbol für Dummheit und Hohlköpfigkeit.

In Afrika hingegen wird in ihm der fruchtbare und schöpferische Mutterschoß verehrt; er liefert in den heißen Ländern ein saftiges, frisches Nahrungsmittel. Der Gattungsname „Cucurbita“ stammt aus dem lateinischen von „cucumis = Gurke“ und „orbis = Erdkreis“ und verweist auf die Form der Frucht. Das griechische „pepo = reif, weich, mürbe“ bezieht sich auf die Konsistenz der Frucht.

Inhaltsstoffe des Kürbisses

Medizinisch werden nur bestimmte Züchtungen des Kürbisses verwendet. Wichtige Inhaltsstoffe sind Phytosterole, pflanzliche Stoffe ähnlich dem Cholesterin, Hinzu kommen 30-50% fettes Öl, Fettsäuren, 25-42% Proteine und 6-10% Kohlenhydrate sowie 4-6% Rohfasern. Das fette Öl des Kürbissamens enthält bis zu 64 % Linolsäure und 0,2-5% Linolensäure sowie in hohem Maße (385-483 mg) Vitamin E und Carotinoide. Hoch ist auch der Gehalt an Selen; daneben noch weitere Spurenelemente, wie Mangan, Zink, Kupfer.

Medizinische Verwendung und Wirkung von Kürbiskernen

Kürbis - die Pflanze im Oktober - (c) pixabay

Kürbis – die Pflanze im Oktober – (c) pixabay

Kürbiskernsamen wirken aufgrund der enthaltenen Phytosterole auf die Prostata. Dies basiert auf einer Beeinflussung hormoneller Mechanismen. Die Sterole scheinen verschiedene prostatische Stoffwechselparameter (z.B. saure Phophatase, PSA) zu normalisieren. Aufgrund der Tocopherole und des Selens kann eine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung angenommen werden. Die Tocopherole führen zu einer Kräftigung von Bindegewebe und Muskulatur.

Die Magnesiumsalze bewirken eine Verbesserung der neuromuskulären Funktionen. Linolsäure, als Vorläufer bestimmter natürlicher körperlichen Botenstoffe (Prostaglandine E2 und E2α) kann die Regulation der Blasenmuskulatur in ihrem Zusammenspiel positiv beeinflussen. Kürbiskernsamen wirken zudem wassertreibend, ferner zeigen bestimmte Kürbissamenauszüge gegenüber Bakterien eine keimhemmende Wirkung.

Einsatzgebiete des Kürbissamens sind Harnbeschwerden im Rahmen einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) sowie Reizblase. Beschwerden, wie verzögertes und häufiges Harnen, Restharngefühl, abgeschwächter Harnstrahl oder Harninkontinenz, werden gebessert. Zudem wird die Blasenmuskulatur gestärkt, der Blasentonus reguliert und die Austreibungskraft gesteigert. Wie klinische Studien zeigen, ist auch bei Einnässen ein Therapieversuch mit Kürbissamen sinnvoll.

In der Volksheilkunde wurden Kürbissamen auch als wassertreibendes Mittel bei Nierenentzündungen, bei Darmparasiten, besonders bei Spul- und Bandwürmern, sowie äußerlich zur Wundheilung eingesetzt. In der brasilianischen Volksheilkunde werden die Kürbissamen überdies bei Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen eingesetzt. Die Wirkung von Kürbissamen tritt erst nach einigen Wochen ein, weshalb die Anwendung über mindestens 6–9 Monate erfolgen sollte.

Therapeutisch werden zur Sicherstellung einer ausreichenden Wirkstoffkonzentration fast ausschließlich Spezialzüchtungen verwendet. Die anderen im Handel befindlichen Sorten weisen große Schwankungen im Wirkstoffgehalt auf. Die Ernte der Samen erfolgt im September und Oktober. Kürbissamen ist von ölig-süßlichem Geschmack. Die mittlere Tagesdosis beträgt 10 g Samen, Zubereitungen entsprechend. Meist in Form von wässrig-ethanolischen Extrakten mit unterschiedlichem Drogen-Extrakt-Verhältnis, die Tagesdosis liegt hier bei 500–1000 mg Extrakt.

Gesundheitsförderliches Kürbiskernöl

Auch der Konsum von Kürbiskernöl unterstützt die Gesundheit. Aufgrund seiner Hitzeempfindlichkeit sollte es nur für Salate und Rohkost verwendet werden. Es wird zumeist aus dem Steirischen Ölkürbis hergestellt, da die Samen dieser Sorte nicht durch eine verholzende Samenschale geschützt werden, sondern nur durch ein dünnes Silberhäutchen. So ist eine effizientere Pressung möglich.

Rezept: Kürbispesto

Probieren Sie folgendes Herbstrezept:

  • 150 g Kürbiskerne, geröstet und gemahlen
  • 150 g Kürbiskernöl
  • 100 g Muskatkürbis-Fleisch
  • 2 EL Parmesan, gerieben
  • Pfeffer, Salz

Greift man auf ganze Kürbiskerne zurück, eignet sich zum Reiben eine elektrische Kaffeemühle. Das Kürbisfleisch ebenfalls fein reiben. Alle Zutaten miteinander vermischen und das Pesto in Einmachgläser füllen. Es hält sich gut gekühlt etwa 2 Wochen. Das Kürbiskernpesto eignet sich für Nudelgerichte, aber auch zum Verfeinern von Rohkostgerichten, zu Schafkäse oder Räucherfischen.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum

Meerrettich

Pflanze des Monats September: Meerrettich

Eine Knolle mit vielen Eigenschaften

Meerrettich ist vor allem als kulinarische Zutat beliebt. Aufgrund seines scharfes Geschmacks wird er gerne als Ergänzung verschiedenster Speisen eingesetzt. Doch wussten Sie auch, welche vielfältige Rolle der Meerrettich als Heilpflanze spielt?

Wann wird Meerrettich geerntet und wie schmeckt er?

Ab September bis in den Februar hinein werden die Wurzeln des Meerrettich, auch Fleischkraut, Kren, Pferderettich oder Waldrettich genannt, geerntet.

Er ist, v.a. im bayerischen Raum, ein beliebtes Nahrungsmittel. Er eignet sich als Beigabe zu verschiedenen Gerichten, wie Fleisch und Fisch, oder auch als Konservierungsmittel, wie es bereits Hildegard von Bingen machte.

Sein Geruch ist beim Zerreiben stechend, der Geschmack beim Kauen extrem stechend scharf. Die mit wissenschaftlichem Namen Amoracia rusticana genannte Pflanze zählt zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae).

Über die Pflanze

Bevorzugt wächst sie auf sandigen feuchten Böden, wo sie sich mit ihrer starken Wurzelbildung weiträumig waagrecht ausbreitet. Die kräftige, bis 0,5-1,5 m hohe, mehrjährige Pflanze ist ursprünglich in Südeuropa beheimatet, wird aber nahezu weltweit angebaut. Aus einer walzen- und rübenförmigen, holzigen, langen, hell gelblichweißen Wurzel wachsen große, lang gestielte, längliche, gekerbte Blätter mit dunkelgrüner Färbung. Aus deren Mitte schießt später der Blütenschaft hervor. Die vierzähligen, weißen, wohlriechenden Blüten sind in einer Rispe angeordnet. Blütezeit ist Mai bis Juli.

Ein natürliches Heilmittel seit der Antike

Eine Meerrettich-Wurzel

Meerrettich (c) Ledo, Shutterstock

Meerrettich wurde bereits in der Antike als Heilpflanze verwendet – als wassertreibendes Mittel und bei Steinleiden. Der Saft wurde bei Lendenleiden eingesetzt.

Meerrettich spielte vom Mittelalter bis in die Neuzeit als Heilmittel und Nahrungsmittel eine wichtige Rolle. Hildegard von Bingen (ca. 1098-1197) setzt die „Merrich“ genannte Pflanze bei Brust- und Bauchschmerzen ein. Beschwerden der Verdauung, Blähungen, hartnäckiger Husten, auch Natternbisse und Pilzvergiftungen waren weitere gängige Einsatzgebiete in alten Zeiten.

Für Entzündungen des Mund- und Rachenraumes wurden Gurgellösungen, für die Mundfäule auch gepulverter Meerrettich eingesetzt. Mit Meerrettichsaft wurde in Form einer mehrtägigen Kur versucht die „versehrte Lung“ zu heilen. Der größte Teil der tradierten Anwendungsgebiete haben sich in der Volksheilkunde bis in die heutige Zeit erhalten.

Meerrettich wurde auch im Aberglauben eingesetzt. Wollte man vor der Niederkunft das Geschlecht des Kindes bestimmen, legten sich beide Ehepartner ein Stück Wurzel unter die Kopfkissen. Wessen Stück zuerst schwarz wurde, dessen Geschlecht sollte das Kind haben.

Inhaltsstoffe des Meerrettichs und deren Effekte

Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe des Meerrettichs sind Senfölglykoside, die Glucosinolate. Diese sind geruchlos und nur in frischer Zubereitung wirksam, im getrockneten Zustand werden sie durch pflanzeneigene Enzyme in flüchtige, scharf schmeckende Senföle – gespalten, was mit einer Wirkungsabschwächung einhergeht. Weiterhin sind Ascorbinsäure (Vitamin C, ca. 0,6%), Vitamin B1 (ca. 500 μg/ 100g), Flavonoide (pflanzliche Farbstoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung), und Kaliumsalze enthalten.

Aufgrund des scharfen Geschmackes kommt es zu einer Anregung von Magensaft und Gallensäure und einer appetitanregenden Wirkung. Nachgewiesen wurde ferner eine direkt krampflösende Wirkung auf glatte Muskulatur der inneren Organe. Die Senföle wirken auf Bakterien und bestimmte Pilze (Candida albicans) keimhemmend. Ein Effekt ist auch bei Viren gegeben. Hinweise liegen auf eine immunstimulierende Wirkung vor. Äußerlich angewendet wirkt Meerrettich durchblutungsfördernd.

Der Meerrettich eignet sich zur Behandlung bakterieller Harnwegsinfekte. Die Aufnahme von 10–25 g zerriebener Meerrettichwurzel führt innerhalb von 1–3 Std. zur Ausscheidung wachstumshemmender Substanzen auf Bakterien. Als weitere Indikation kann aufgrund der antibiotischen und antiviralen Wirkung noch der Katarrh der Luftwege genannt werden. Ein bewährtes Hausmittel dabei ist Meerrettichsirup (frischen Meerrettich feingerieben und lagenweise mit Honig in eine Glasfüllen, nach 24 Std. abpressen und in kleines Fläschchen füllen; kühl aufbewahren; innerhalb einer Woche aufbrauchen).

Äußerlich verwendet kann Meerrettich aufgrund seiner durchblutungsfördernden Wirkung bei Muskelschmerzen, Gicht und rheumatischen Beschwerden eingesetzt werden. In Form eines Breiumschlags wird Meerrettich bei Kopfschmerzen in den Nacken, bei Sinusitiden auf die Nasennebenhöhlen sowie bei Zahnschmerzen auf die Wange gelegt. Wegen der schleimhautreizenden Wirkung sollte die Anwendung nicht länger als 4–6 Wochen dauern. Es kann zu Magen- und Darmbeschwerden kommen.

In welcher Form wird Meerrettich medizinisch angewandt?

Dosierung als Presssaft: 1 Eßlöffel frisch zerkleinerte Droge auspressen, 2–3 x tgl. einnehmen. Bewährte Fertigarzneimittel sind florabio naturreines Heilpflanzendestillat Meerrettich sowie Angocin Anti-Infekt N Tabletten (Kapuzinerkresse). Für Meerrettich-Auflagen werden 2 EL frisch geraspelter Meerrettich ca. 1–2 cm dick auf eine Kompresse auftragen und mit umgeschlagenen Rändern als Päckchen auf die Blasenregion legen. Mit Leinen- oder Frotteetuch abdecken. Nach Entfernen der Kompresse das gerötete Hautareal mit Olivenöl einreiben. Anwendungshäufigkeit und -dauer: Einmal täglich für ca. 3–5 Min., bei weiterer Anwendung bis maximal 10 Min.

Rezept: Apfel-Meerrettich-Sauce

Sehr bekannt ist Rettich als würzende Zutat in Saucen, die zu Fisch, kaltem Braten oder Würstchen gereicht werden können. Versuchen Sie das folgende Rezept:

1 Apfel
40 g Meerrettich
1/2 Bio-Zitrone
1 TL Zucker
200 g Sahne
Salz

Den Apfel vierteln, das Gehäuse entfernen und mit Zitronensaft beträufeln. Dann fein reiben und in eine Schüssel geben. Meerrettich schälen, fein reiben und mit dem Apfel vermischen. Den Saft einer halben Zitrone untermischen, mit Zucker und Salz würzen. Die Sahne steif schlagen und unter die Apfel-Meerrettich-Mischung heben.

Cajeput

Eine Pflanze die äußerlich angewendet sich sehr bewährt ist Cajeput, auch Myrtenheide genannt. Genaugenommen wird das durch Wasserdampfdestillation aus den frischen Blättern und jungen Zweigen von Melaleuca cajeputi, M. leucadendra und M. quinquenervia gewonnene Cajeputöl verwendet. Es handelt sich dabei um hohe Bäume, die in feuchten Gebieten Südostasiens und Australiens anzutreffen sind.

In der traditionellen Medizin der einheimischen Bevölkerung werden alle Bestandteile des Cajeputbaums eingesetzt, sowohl innerlich wie äußerlich oder auch in Form von Räucherungen. Cajeputöl gilt im indischen und indonesischen Raum als eine Art universales Heilmittel. Das ätherische Öl wird seit 1726 auch in Europa medizinisch genutzt. Cajeputöl wird als Moskito- vertreibendes Mittel in Indonesien eingesetzt. Es dient zum Konservieren von Kleidern und Sammlungen sowie als Aufheller in der Mikroskopie.

Cajeputöl ist eine meist grünliche bis bläulich gefärbte Flüssigkeit mit campherartigen Geruch. Der Geschmack ist aromatisch, zuerst brennend, später kühl. Cajeputöl zeigt antimikrobielle und durchblutungsfördernde Eigenschaften. Zudem wirkt es krampflindernd, schweißtreibend und stimulierend. Ein auswurffördernder Effekt wird diskutiert.

Cajeputöl wird bei Schmerzzuständen in Muskeln und Gelenken, rheumatischen Erkrankungen, akuter Lumbago sowie bei Arthrose und Neuralgien eingesetzt. Auch bei traumatischen Ereignissen, wie Prellungen und Zerrungen, ist eine Anwendung möglich. Cajeputöl wird bei Atemwegserkrankungen verwendet, und zwar innerlich bei Husten sowie äußerlich in Form von Wickeln, Salbenzubereitungen oder als Bestandteil von Nasentropfen. Zudem wirkt es bei Wunden und Verbrennungen lindernd. In der Volksmedizin wird das Öl als Antiseptikum sowie zur Schmerzstillung bei Zahnschmerzen und Ohrenschmerzen eingesetzt. Selten kann es zu Kontaktdermatitiden kommen.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum

Blüten der Wiesenkönigin

Pflanze des Monats August: Mädesüß

Filipendula ulmaria: Eine Pflanze der Familie der Rosengewächse

Beim Blick über die Wiesen sind zur Zeit hochaufgerichtet auffällige doldentraubige Blütenstände zu sehen die aus vielen creme- bis gelblichweiße Einzelblüten bestehen. Sie verströmen – insbesondere abends – einen intensiven, honig- bis mandelartigen Geruch.

Es ist die Wiesenkönigin oder gängiger die Mädesüß, eine Vertreterin der Rosengewächse (Rosaceae).  Sie ist  in Europa, Sibirien bis in die östliche Mongolei und Nordamerika, anzutreffen. Ihr derber, kantiger Stengel ist rot überlaufen und meist oberwärts verzweigt. Die  Blätter sind gefiedert und am Rand gekerbt bis gesägt.

Heilkraft & Wirkung

Eine medizinische Verwendung der Mädesüß ist in der Antike nicht bekannt. Zu späteren Zeiten wurde sie als wassertreibendes und zusammenziehendes Mittel, bei Diarrhöen und bei rheumatischen Erkrankungen sowie bei Bluterkrankungen eingesetzt. Gerard schreibt, dass die in Wein gekochten Blüten nach ihrem Genuss die „Zustände eines bestimmten Alters hinwegtragen und das Herz fröhlich stimmen“ würden. In der Volksheilkunde wurden die Blüten gerne zur „Blutreinigungskur“ eingesetzt.

Aufgrund des vanilleartigen Geruchs wurde die Mädesüß früher zum Aromatisieren von Bier, Wein und Met verwendet. Im Mittelalter gehörte sie zu den Pflanzen, die als Duftstoffe auf den Boden gestreut wurden. Den keltischen Druiden galt sie, zusammen mit Wasserminze und Eisenkraut, als heilige Pflanze. Das zarte, zierliche und liebliche Aussehen der Pflanze führte zum Namen „Mädesüß“. Wegen ihres hohen, die Wiesengräser überragenden Blütenstands wurde sie auch „Wiesenkönigin“ genannt.

Mädesüßkraut bzw. die Blüten, beides geerntet zur vollen Blüte, enthalten ätherisches Öl, das zum großen Teil aus Salicylaldehyd besteht, einer dem Aspirin ähnlichen Substanz. Zudem enthält die Pflanze Flavonoide (natürliche Pflanzenfarbstoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung), Gerbstoffe und Schleimstoffe sowie Vitamine (E, C). Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe wirkt die Mädesüß  fiebersenkend und entzündungshemmend, möglicherweise sogar schweißtreibend. Außerdem wurde eine antimikrobielle Wirkung nachgewiesen. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend (adstringierend). Zudem scheint eine wassertreibende Wirkung vorzuliegen. Die pulverisierte Krautdroge soll wundheilungsfördernde Eigenschaften besitzen.

Anwendungsgebiete

Mädesüßblüten werden bei Erkältungskrankheiten bzw. fiebrige Erkältungskrankheiten, bei denen eine Forcierung des Schwitzens und eine Förderung der Harnausscheidung erwünscht sind, eingesetzt. In der Volksmedizin wird die Droge bei Blasen- und Nierenbeschwerden, einschließlich  Blasenentzündungen, Kopfschmerzen, rheumatischen Beschwerden der Gelenke und der Muskulatur sowie Gicht eingesetzt. Nebenwirkungen sind keine bekannt, aber aufgrund der enthaltenen Salicylate soll die Pflanze nicht bei Salicylat- Überempfindlichkeit angewendet werden.

Das Team des Kneippianums empfiehlt eine Tagesdosis für Erwachsene von 2,5–3,5 g Blüten bzw. 4–5 g Kraut, bei der Tinktur werden 2–4 ml eingenommen.

Mädesüß in der Küche

Die blühende Mädesüß lockt mit ihrem Duft nach Vanille und Mandel. Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Pflanze auch den Weg in die Küche gefunden hat. Mit Wasser, Zitronensäure und Zucker aufgekocht ergibt sich ein Sirup, welcher sich in der Hausapotheke als hervorragendes Mittel gegen Kopfschmerzen eignet, denn Mädesüß enthält Salicylsäure, denselben Wirkstoff, der auch in Aspirin zu finden ist. Als Gelee eignet sich Mädesüß außerdem als außergewöhnlicher Brotaufstrich.

Mädesüss-Gelee mit Apfel

Zutaten:

  • ca. 5 Hände voll Mädesüßblüten
  • 2l Apfelsaft
  • Saft von 2 Zitronen
  • 1 kg Zucker
  • 3 Päckchen Gelierzucker 3:1
  • 30g Zirronensäure

Zubereitung:

Die Mädesüßblüten werden zusammen mit dem Apfel- und Zitronensaft sowie etwas abgeriebener Zitronenschale aufgekocht. Der Saft wird anschließend über Nacht in den Kühlschrank gestellt damit die Flüssigkeit die Aromen optimal aus den Blüten entziehen kann. Der Mädesüßsaft wird nach einer Ziehdauer von mindestens zwölf Stunden mit einem Sieb von den Feststoffen getrennt und nochmals aufgekocht. Sobald der Saft kocht, wird das Gelierfix, der Zucker und die Zitronensäure untergerührt, bis sich alles aufgelöst hat. Das heiße Gelee kann nun in Marmeladengläser abgefüllt und verschlossen werden.

Als Highlight kann noch einen Esslöffel Mädesüßblüten vor dem Verschließen in das Marmeladenglas gegeben werden. Hierbei ist zu beachten das Glas vor dem erkalten einige Male zu drehen, damit sich die Blüten gut verteilen.

Das Team des Kneippianums Bad Wörishofen wünscht Ihnen viel Erfolg beim Nachkochen und berät Sie gerne mit ihrem Kräuterwissen zu der Wirkung und den Anwendungsgebieten des Mädesüß.

Kamillenblüten

Die Top 10 der beliebtesten Heilkräuter

Pflanzen mit hoher Wirkung

Gegen alles ist ein Kraut gewachsen, so lautet ein altes Sprichwort. Tatsächlich findet sich in der Welt der Natur eine schier unendliche Vielfalt an Pflanzen, die eingesetzt werden können, um diverse Leiden zu lindern oder zu kurieren. Anstatt zu Medikamenten aus dem Pharma-Labor zu greifen, vertrauen viele Menschen lieber auf Altbewährtes aus der Natur. Nachfolgend stellen wir Ihnen die 10 beliebtesten Heilpflanzen vor, die in heimischen Gefielden zu finden sind.

  1. Die Pfefferminze.
    Ob als Tee, als Bonbon, im Dessert oder als Gewächs im Hausgarten – die Pfefferminze kennt jeder. Ihre Heilkraft zieht sie aus den enthaltenen ätherischen Ölen. Minze befreit bei Erkältungskrankheiten die Atemwege und wirkt darüber hinaus entzündungshemmend. Auch bei Magen-Darm-Beschwerden und Migräne wird sie erfolgreich eingesetzt.
  2. Die Kamille.
    Ebenfalls ein Klassiker ist die Kamille, die durch ihre großen gelb-weißen Blütenköpfe auffällt und ein unverkennbares Aroma besitzt. Ihre Inhaltsstoffe wirken kranflösend, beruhigend und vor allem entzündungshemmend und entfalten als Tinktur bei äußerlichen Wehwehchen oder als Kamillentee ihre heilsame Wirkung.
  3. Der Spitzwegerich.
    Er kommt eher unscheinbar daher, obwohl er sich bei genauerem Hinsehen auf fast allen Wiesen und an Wegrändern ausbreitet. Das Kraut mit den schwertförmigen Blättern und grau-braunen Blütenköpfchen enthält unter anderem Gerbstoffe, das Glycosid Aucubin und Saponine. Bei Husten, Verdauungsstörungen, Blutungen und Wurmkrankheiten wird die Wirkung des Spitzwegerichs hochgeschätzt. Eingenommen wird die Pflanze als Tee, als Presssaft oder als Bestandteil von Hustensäften.
  4. Der Weißdorn.
    Beim Wald- oder Feldspaziergang fällt der Weißdorn als drei bis sechs Meter hoher Strauch auf, der Trauben von roten Beeren trägt. Seine Inhaltsstoffe stärken das Herz, regulieren den Blutdruck und helfen bei Nervosität.
  5. Die Mistel.
    Als Schmarotzer hängt die Mistel in kugeligen Büscheln in Baumkronen und liefert mit ihren weißen Beeren ein heilkräftiges Naturmittel. Als Tee, Aufguss oder in Tablettenform konsumiert reguliert die Mistel den Blutdruck, hilft bei Kreislaufstörungen, Arterienverkalkung, Blähungen, Menstruationsstörungen und Venenleiden.
  6. Die Brennnessel.
    Berühren möchte man dieses Nesselgewächs lieber nicht, doch der Reichtum an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen sollte keinesfalls missachtet werden: in den dunkelgrünen Blättern stecken besonders viel Kieselsäure, Vitamin A und C sowie mineralische Spurenelemente wie Eisen. Brennnesseltee oder -aufguss wird gerne bei Wassersucht, Ekzemen, Blasen- und Nierenleiden sowie Blutarmut und diversen Mangelerkrankungen genossen.

    Heilpflanze Sanddorn

    Beeren des Sanddorns (c) Wikipedia

  7. Der Sanddorn
    Dieser Strauch fühlt sich besonders wohl auf Kiesboden, Flussschotten und Sanddünen und ist beispielsweise an der Ostseeküste häufig anzutreffen. Die orangen, eiförmigen Beeren sind wahre Vitamin C-Bomben und enthalten daneben Vitamin A sowie organische Säuren. Sanddorn wird nicht nur als Saft bei Frühjahrsmüdigkeit und als Unterstützung der Genesung eingesetzt, sondern schmeckt auch als Marmelade ausgezeichnet.
  8. Das Johanniskraut.
    Erkennbar an seinen vielen gelben Blüten, steckt das Johanniskraut neben Gerbstoffen voller ätherischer Öle, Harz und Flavonoide. Johanniskrauttee wirkt krampflösend, schmerzstillend und beruhigend und ist darüber hinaus ein natürliches Antidepressivum.
  9. Der Baldrian.
    Typischerweise ist der Baldrian bei Schlafstörungen ein nützlicher Helfer und wird darüber hinaus bei Verdauungsstörungen und nervöser Unruhe eingesetzt. Seinen lila-rötlich bis weißen Blüten begegnet man gerne auf feuchten Wiesen, in Auen und am Ufer von Gewässern.
  10. Der Huflattich.
    Anhand seiner in Gruppen wachsenden, gelben, feingefiederten Blüten ist der Huflattich leicht zu identifizieren. Seine Blüten enthalten Inulin, Gerbstoff und Schleim, seine Blätter zusätzlich einen Bitterstoff und Vitamin C. Huflattich-Tee wird bei Husten, Bronchitis, Heiserkeit und Asthma getrunken.

 

Leichte Sommerküche – Salat mit wilden Kräutern

In den warmen Sommermonaten schlagen schwere Gerichte oftmals auf den Magen und sorgen für Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Frische und leichte Salate verschaffen da Abhilfe und viele der bereits genannten heimischen Heilkräuter sind nicht nur in der Naturheilkunde beliebt, sondern verleihen auch knackigen Sommersalaten die passende Würze. Geeignet hierfür sind:

  • Bärlauch
  • Basilikum
  • Borretsch (auch Gurkenkraut genannt)
  • Brennessel
  • Dill
  • Fenchel
  • Gänseblümchen
  • Kerbel
  • Löwenzahn
  • Petersilie
  • Pfefferminze
  • Salbei
  • Schafgarbe
  • Schnittlauch
  • Zitronenmelisse
  • und viele mehr …

Verleihen Sie Ihren Salaten auch einmal einen Vitaminkick mit einer kleinen Obsteinlage. Neben Äpfel und Birnen können Sie auch mit Erdbeeren, Granatäpfeln oder Mango dem beliebten Sommersalat etwas mehr pepp verleihen. Der bereits genannte Sanddorn eignet sich zudem mit etwas Salz, Pfeffer, Honig, etwas Ingwer und Öl hervorragend für ein Salatdressing mit viel Vitamin-C.

Auch im Kneippianum wird das uralte Wissen um die verschiedenen Heilpflanzen weitergetragen. Hier erntet und verarbeitet man diese selbst – gerne verraten Ihnen unsere Gesundheitsexperten, wo Sie diese Pflanzen selbst sammeln können und wie man sie selbst zu Hause verarbeitet. Eines ist sicher – im Spa und bei medizinischen Anwendungen im Kneippianum Bad Wörishofen, aber auch im Restaurant werden Ihnen so manche der Heilkräuter begegnen.

Holunder-Beeren

Die Pflanze des Monats Juli: Holunder

Holunder – Eine Wohltat für Körper und Gaumen

Bis in den Juli hinein sind in Wäldern, an Flussufern oder an alten Scheuten die Blüten des Holunders anzutreffen, ihren typischen, eigenartigen Geruch verbreitend. Der Holunder, auch  Alhorn, Elhorn, Eiderbaum, Fliederbeeren, Holder, Holler, Elder, Pisseke, Schwarzholder genannt, ist eine Pflanze die uns Menschen in den hiesigen Breiten immer aufs engste begleitete.

Die Geschichte des weißen Holunderstrauches

Zahlreiche volkstümliche Mythen ranken sich um ihn. Er wurde als Sitz guter, beschützender Hausgötter angesehen. Nahezu jeder kleine Garten hatte seine „Hollerecke“. Voll Ehrfurcht machten die Mädchen im Vorbeigehen einen Knicks, die Männer zogen ihre Hüte. Der Hollerstrauch war zudem ein Schutzbaum für junge Eheleute, Witwen und Waisen. Nur sie durften das Holz verbrennen, ohne bestraft zu werden. Geweiht war er der Holla oder Freia, der höchsten der germanischen Göttinnen, die als Licht- und Sonnengöttin, Göttin der Liebe sowie als Gattin des Odin auch als Totengöttin erscheint.

Bei den Germanen wurde der Holunder als Baum des Heils verehrt. Er schützte vor Feuer, Seuchen, Zauberei – schlichtweg vor allem Bösen. Der Schlaf in seinem Schatten war behütet. Schlangen und Mücken konnten einem nichts anhaben; vor Verzauberung war man gesichert. Mit Holunder konnten Hexen entlarvt und auch das Vieh vor Verzauberung geschützt werden.

Heilkraft & Wirkung

Im Volksglauben war er der geeignetste Baum, auf den Krankheiten übertragen werden können; beispielsweise biss man an Karfreitag in einen Holunderast, um sich von Zahnschmerzen zu befreien.  Abgesehen von diesen mittlerweile etwas rustikalen Therapiemethoden ist der Holunder eine heilende Pflanze, die sich für so manche Krankheit sinnvoll einsetzen lässt.

Den Holunderblüten wird eine schweißtreibende Wirkung zugesprochen. Nachgewiesen ist ein schleimlösender Effekt, vermutlich wird die Bronchialsekretion vermehrt. Zudem wird die unspezifische Körperabwehr mobilisiert. Die Droge wirkt leicht harntreibend. In höherer Konzentration kommen in Holunderblüten bestimmte Stoffe vor, die die Anheftung  von Helicobacter pylorii an die Magenschleimhaut hemmen.

Die Holunderblüten werden bei fieberhaften Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten angewendet. Sie werden als Tee verabreicht, teils auch in Form eines Gurgelwassers. Auch als Blutreinigungsmittel bei Hautunreinheiten und üblem Körpergeruch werden sie hoch gelobt. Nach § 109 a werden sie in Kombination mit anderen Stoffen „zur Besserung des Befindens bei Erkältungskrankheiten“ eingesetzt.

Holunderblütentee

Geerntet werden die gesamten Blütenstände von Mai bis Juli. Die mittlere Tagesdosis der Holunderblüten beträgt für Erwachsene 10–15 g Droge. Tee: 2 TL (1 TL = etwa 1.5 g) der Holunderblüten mit 1 T. Wasser kochend übergießen und 15 Min. ziehen lassen. Mehrmals tgl. 1 Tasse getrunken. Bei Schwitzkuren ca. ½ l zuführen, ein Vollbad unterstützt die Wirkung. Zur Teezubereitung von den Holunderbeeren 10 g Droge, mehrmals täglich 1 Tasse Tee trinken, vom Saft mehrmals täglich 200 ml trinken.

Die schwarzen Beeren

Holunderfrüchte enthalten viele Flavonoide und Anthocyanglykoside, Naturstoffe großer Heilkraft. Auch liegen viele Vitamine vor. Auf 100 g frischen Beeren liegen ca. 65 mg Vitamin B2, 18 mg Vitamin C und 17 mg Folsäure vor. Die Anthocyanglykoside in den Früchten wirken antioxidativ. Die antioxidative Potenz von Holunderbeeren übersteigt die der Schwarzen Johannisbeeren. Für einen Extrakt aus Holunderfrüchten wurde eine ausgeprägte antivirale Wirkung, u.a. gegen Influenza-, Herpes- simplex- und HI- Viren festgestellt.

Holunderbeeren werden traditionell, zumeist als Mus, bei Erkältungskrankheiten und Husten verwandt, wo ihnen ein guter Effekte zugesprochen wird. Bei Influenza- Infektionen ist nachweislich eine therapeutische Wirksamkeit gegeben. In Form eines Safts dienen Holunderbeeren als Abführmittel. Gut verträglich ist der gekochte Saft, roh ruft er gelegentlich Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö hervor. Beliebt ist Holundersirup. Dazu wird der frisch ausgepresste Beerensaft mit der gleichen Menge Zucker oder Honig auf Sirupdicke eingekocht und heiß in die Flaschen abgefüllt.

Darf es etwas Ausgefallenes sein? Gebackene Holunderblüten

Die Holunderblüte findet in der Küche nicht nur als Basis für den beliebten Holunderblütensaft Verwendung. Die im Teig gebacken Blüten sind ein ausgefallener und köstlicher Snack für warme Sommernachmittage. Die Zubereitung ist recht einfach und benötigt nur ca. 15 Minuten.

Zutaten für ca. 4 Portionen:

  • 8 mittelgroße Holunderblüten
  • 150g Mehl
  • 1 EL Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL pflanzliches Öl
  • 1/8l Milch
  • 2 mittelgroße Eier
  • Frittierfett zum Herausbacken
  • Staubzucker und Zimt zum bestreuen

Zubereitung:

Rühren Sie Mehl, Zucker, Salz, Öl, Milch und Ei zu einem geschmeidigen Teig zusammen. Erhitzen Sie in der Zwischenzeit das Frittierfett und waschen Sie die frischen Holunderblüten unter fließendem lauwarmen Wasser. Wenn das Fett heiß ist, ziehen Sie die Holunderblüten samt Stängel vorsichtig durch den Backteig und backen sie die Blüten in dem heißen Fett goldbraun heraus. Vermischen Sie Staubzucker und Zimt und bestreuen Sie die gebackenen Holunderblüten nach belieben. Als Garnitur eignen sich hervorragend Früchte der Saison.

Das Kneippianum Team erklärt die gesundheitliche Bedeutung des Holunder: frischer Holundersaft wird in der Volksheilkunde auch zur Anregung der Harnausscheidung eingesetzt, ebenso zur Behandlung von Ischias, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Neuralgien, insbesondere im trigeminalen Bereich. Aufgrund des hohen Anthocyangehaltes werden die Holunderbeeren als Ausgangsmaterial für Lebensmittelfarbstoffe herangezogen.

Veilchen

Die Pflanze des Monats März: Das Veilchen

Das wohlriechende Veilchen (Viola odorata) ist ein Vertreter der Veilchengewäche (Violaceae). Weitere Namen sind Duftveilchen, Heckenveilchen, Marienstengel, Märzveilchen, Oeschen, Osterchen, Osterveigerl und Schwalbenblume.

Es wächst bevorzugt in schattigen Laubwäldern und unter Gebüschen im größten Teil Europas sowie im Nahen Osten bis Mittelasien. Ursprünglich trat es im Mittelmeergebiet sowie in den atlantischen Randgebieten Europas auf, von wo es sich ausbreitete.

Als Gartenpflanze ist es mittlerweile auf sämtliche Erdteile verbreitet. Das Veilchen ist eine 5–10 cm hohe Rosettenstaude. Aus einem kriechenden, sich auf dem Boden ausbreitenden Wurzelstock mit bis 20 cm langen sich bewurzelnden Ausläufern wachsen gestielte, herzförmige, stumpfe oder kurz gespitzte und gekerbte, 1-5 cm lange Blätter.

Die 1-1,5 cm langen Nebenblätter sind eiförmig zugespitzt und ganzrandig bzw. oberwärts mit bedrüsten Fransen besetzt. Die 3–7 cm hohen Blütenstengel tragen tiefviolette, seltener weiße oder rötliche, 1,5-2 cm große Blüten. Blütezeit ist März bis Mai.

Als Heilpflanze wird ebenfalls das Alpenstiefmütterchen, auch Langsporniges Veilchen genannt, genutzt. Es ist im alpinen Raum auf Wiesen und Weiden mit kalkfreien oder kalkarmen Böden in Höhenlagen zwischen 1600 und 2400 m anzutreffen. Auffallend sind seine großen, 3-4 cm im Durchmesser, leuchtend bis tiefvioletten Blüten mit hellgelben Saftmalen. Blütezeit ist Juni bis Oktober.

Die Heilkraft des Veilchens war in der Antike sehr geschätzt, sei es wegen seiner Wirkung gegen Alkohol, zur Besänftigung von Ärger oder, wie bei Dioskurides (griech. Arzt im 1. Jh. n. Chr.) erwähnt, als breiige Auflage bei Gastritis und Mastdarmvorfall.

Bis ins Mittelalter besaß es einen hohen Stellenwert – Hildegard von Bingen (1098–1179) weist in ihren Schriften noch auf die gute Wirkung von Veilchenzubereitungen hin, es empfehlend bei „Feurigen Augen“, „Dreitägigem Fieber“, Sehstörungen und Augentrübungen. Anschließend geriet das wohlriechende Veilchen jedoch in Vergessenheit. Erst im 19. Jh. wurde es von Sebastian Kneipp aus der Versenkung geholt, der sie bei Husten und generell bei respiratorischen Erkrankungen einsetzte.

Das Veilchen ist ein Bote des Frühlings. Mit viel Glück findet man schon eines im März. Verzehrt man es, soll es einen, wie man im Volksglauben annahm, das ganze Jahr über vor „kaltem Fieber“ schützen. Noch wirkungsvoller war es wenn man 3 Veilchen verspeiste. Derjenige, der das Veilchen als erster entdeckte konnte sich etwas wünschen, was im darauffolgenden Jahr in Erfüllung gehen würde.

Wie alle Pflanzen, die unmittelbar nach der kalten Jahreszeit blühen, verheißt das Veilchen Jugend und Hoffnung. Verbunden war es Naheliegenderweise auch mit Liebesdingen. Das Veilchen galt als ein Symbol für die Liebe. Selbst Vulcanus, der Schmid unter den Göttern und Gott des Feuers – er war von verkrüppelter Gestalt und galt als wenig attraktiv im Pantheon der Götter -, der sich vergebens in die schöne Venus verliebte, wurde erhört, nachdem er sich mit Veilchen bekränzte. Aphrodite, Göttin der Liebe, wurde auch die „Veilchenbekränzte“ oder die „Veilchenhaarige“ genannt.

Im Griechenland der Antike existierten ganze Veilchengärten. Mit dem Duft der Veilchen hoffte man die Damen zu betören und so manche Widerspenstige williger zu machen. Verbunden mit dem Veilchen war ebenfalls das Bild der Unschuld bzw. der Jungfräulichkeit. Beispielsweise bestreute man sowohl das Lager der Braut, als auch den Sarg der Jungfrau mit duftenden Veilchen.

Das Veilchen galt (in der griechischen Mythologie) aber auch als Pflanze der Persephone, der Herrscherin der Unterwelt: „Das Veilchen der Proserpina“, dessen dunkles Gewand es als Sinnbild der Trauer und des Todes kennzeichnet, und die Grabhügel schmückte. Deutlich ist hier der Bezug zum Jenseits gegeben, zu einer Zeit in der das Leben noch ruht, noch nicht in Erscheinung getreten ist.

Im christlichen Kontext wurde das Veilchen im Mittelalter zu Maria in Beziehung gesetzt, die in geistlichen Liedern als „Veilchen der Demut“ gepriesen wurde. Es blüht im Verborgenen. Das Bild der Demut hat sich im Volk bis in die heutige Zeit erhalten. In manchen Poesiealben ist zu finden: „ Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und still und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert sein will“. Das Veilchen war die Blume der Demut und Bescheidenheit.

Der lateinische Name des Veilchens, „Viola odorata“, ist bzgl. des Gattungsbezeichnung vom griechischen „ion = Veilchen“ abgeleitet. Auch die Farbenbezeichnung Violett hat hier ihre Wurzel. Der Beiname „odoratum“, aus dem Lateinischen, bedeutet „wohlriechend, duftend“ und weist auf den Wohlgeruch hin. Die deutsche Bezeichnung „Veilchen“ stammt über das altdeutsche „fiol“ von „Viola“ ab.

Sowohl die Wurzel- als auch die Krautdroge enthalten Saponine – pflanzliche Stoffe mit seifenähnlicher Wirkung. Für die Krautdroge werden ferner Schleimstoffe, ß-Sitosterol und Phenolcarbonsäuren beschrieben. Hoch ist der Gehalt an Vitamin C, 254 mg% in den frischen Blätter und 1357 mg% berechnet auf die Trockensubstanz. In der Wurzeldroge ist Gaultherin, ein Salicylsäure- Zucker zu finden. Die Blüten des Veilchens enthalten neben Salicylsäurekomponenten, Schleimstoffen und ätherischem Öl noch Flavonoide (pflanzliche Farbstoffe, u.a. Anthocyane).

Aufgrund der Saponine liegt eine schleimlösende und auswurffördernde sowie antimikrobielle Wirkung vor. Nachgewiesen wurde für Krautextrakte ein fiebersenkender Effekt. Für Teezubereitungen wird eine schweißfördernde Wirkung angenommen.

Veilchenwurzel ist ein brauchbares Mittel zum Abhusten. Sie zeigt ein ähnliches, jedoch schwächeres Wirkprofil als die Primel. Die Droge kann bei chronischer Bronchitis, am besten in Teemischungen, verwendet wird. Es wird ein lindernder Effekt bei Halsentzündungen, aber auch bei Keuchhusten sowie Bronchitiden mit festsitzendem Schleim postuliert. Die Krautdroge weist in etwa die dieselben Indikationen auf.

Bei Hautkrankheiten kann die Wurzeldroge innerlich sowie äußerlich zur Hautwaschung eingesetzt werden.
In der Volksmedizin wird die Wurzeldroge auch bei Rheuma der kleinen Gelenke sowie nervöser Überreizung und Schlaflosigkeit angewendet. Sebastian Kneipp empfahl einen Absud in Essigwasser für Umschläge bei Podagra (Gichtanfall am Großzehengrundgelenk). Im Altertum wurden die Blüten gegen die Folgewirkungen von Alkohol verabreicht.

Das Veilchenkraut wird zur Blütezeit gesammelt, die Wurzel im September. Veilchenblüten riechen angenehm lieblich. Die Wurzel ist fast geruchlos, aber im Geschmack brennend-scharf. Das Drogenmaterial stammt im Allgemeinen aus Rumänien sowie der Tschechei und Slowakei.

Als Teezubereitung werden ¼ Teelöffel feingeschnittene Wurzel mit 1 Tasse kaltem Wasser angesetzt, zum Sieden erhitzt und 5 Min stehen lassen oder 2 TL Veilchenkraut mit ¼ l Wasser kochend übergossen und 10 Min. ziehen lassen. 2-3- mal täglich wird eine Tasse getrunken.

Möchte man sich einen Veilchen-Sirup, der teelöffelweise verabreicht wird, zubereiten -eine Tasse gesammelte Veilchenblüten in 1 Flasche geben, mit ¼ l heißem Wasser übergießen, 24 Stunden ziehen lassen und abseihen; den erlangten Aufguss nach erneutem Erhitzen über eine weitere Tasse voll Veilchenblüten gießen und wieder 24 Stunden ziehen lassen. Den Ansatz mit der gleichen Menge Honig versetzen.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum