Die Pflanze des Monats November: Die Süßholzwurzel

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Süsses Heil- und Nahrungsmittel

Im Spätherbst wird eine Pflanze, genauer gesagt deren Wurzel, gesammelt, die nahezu jedem bekannt ist. Kinder essen sie sehr gerne, wenn auch zumeist in aufbereiteter Form, wie beispielsweise als Süßigkeit oder auch in Tee. Ihr Geruch ist schwach, aber charakteristisch. Ihr Geschmack ist sehr süß und leicht aromatisch. Es handelt sich um die Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra), bekannt als Lakritze. Doch nicht nur als Nahrungsmittel, sondern besonders aufgrund ihrer Wirkung auf die Gesundheit wird das Süßholz seit Jahrtausenden geschätzt und angewandt.

Vorkommen und Charakteristika

Anzutreffen ist die Pflanze, die zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) gehört, auf grasigen Plätzen und in lichten Gebüschen im Mittelmeergebiet, in Mittel- bis Südrussland sowie Kleinasien bis Persien. Es handelt sich beim Süßholz um eine ca. 1–1,5 m hohe, holzige Staude von längerer Lebensdauer, die bis ca. 15 Jahre lang hält. Sie besitzt ein ausgedehntes Wurzelsystem, das bei älteren Pflanzen von einem braunen bis dunkelbraunen Kork umgeben ist. Jährlich treibt die Pflanze eine Anzahl aufrechter ästiger Zweige aus, an denen unpaarig gefiederte, 10-20 cm lange Blätter mit 9–17 oval bis herzförmigen Fiederblättchen sitzen. Die 20–30 blauen bis lilafarbenen, aus den Blattachseln entspringenden Schmetterlingsblüten gruppieren sich zu Blütentrauben. Blütezeit ist der Frühsommer.

Geschichte der Heilpflanze

Die Süßholzwurzel ist eine Droge von großer Bedeutung mit weit in die Vergangenheit zurückreichender Tradition. Ihre Verwendung, überliefert seit dem Altertum, findet sowohl im europäischen, als auch asiatischen Kulturraum statt. Die ersten medizinischen Hinweise stammen aus Assyrien, lange Zeit vor Christi Geburt. Bei Griechen und Römern wurde sie schon damals bei Husten und Atemwegserkrankungen empfohlen.

Plinius nennt sie zudem als Mittel gegen Hunger und Durst sowie auch für Fälle von Sterilität. Erwähnenswert ist in diesem Rahmen die Verwendung von Süßholzwurzel in Japan in Verbindung mit Pfingstrose um bei Frauen den Eisprung auszulösen. Die Süßholzwurzel weist einen hohen Stellenwert in der Volksheilkunde Ostasiens auf. Sie ist eine wichtige Pflanze in der traditionellen chinesischen Medizin. Im Shen-Nung-Pen-Cao-Cing, einer medizinischen Schrift im China des 1. Jh. N. Chr. wurde sie in der Liste der wertvollen Pflanzen geführt, die als ungiftig und lebensverlängernd galten.

Wirkung und gesundheitliche Vorteile

Ihre Wirkung wurde als Muskulatur und Knochen stärkend, die Haut glättend und als antidotierend beschrieben. Im Altertum wurde die Süßholzwurzel auch als „skythische Wurzel“ bezeichnet, da sie von den Skythen (ein Reiternomadenvolk im 7/8. Jhd. an der nördlichen Schwarzmeerküste) nach Griechenland gebracht wurde. Diese nutzten die wasserretinierende Wirkung der Pflanze bei der Durchquerung von Wüsten. Ihre Bedeutung als Heilpflanze ist in mehreren deutschen Kräuterbüchern des Mittelalters erwähnt. Im Vordergrund der Anwendung standen immer die Atemwegserkrankungen, einschließlich der Tuberkulose.

Was steckt in der Süßholzwurzel?

Süßholzwurzel wirkt aufgrund ihrer Inhaltsstoffe (Triterpensaponine, v.a. Glycyrrhizin, Flavonoiden, etc.) – beschrieben wurden ca. 400 Komponenten – entzündungshemmend, schleimlösend, auswurffördernd, krampflösend, schleimhautprotektiv, antiulzerogen sowie hepatoprotektiv. Hinzu kommen antivirale und antibakterielle Eigenschaften.

Die antientzündliche Wirkung ist sehr ausgeprägt und umfasst mehrere Wirkmechanismen, u.a. greift sie in den Kortisonstoffwechsel ein. Der Effekt ist vergleichbar mit manchen schulmedizinischen entzündungshemmenden Schmerzpräparaten (NSAR, wie Indometacin). In diesem Rahmen zeigen sich bei der Pflanze auch antiallergische und antiasthmatische Eigenschaften. Bestimmte Inhaltsstoffe der Pflanze (Flavonoide) besitzen zudem beträchtliche Radikalfängereigenschaften. Gleichzeitig wirken diese krampflösend.

Anwendung in der Medizin als Naturheilmittel

Die Süßholzwurzel löst Schleim und erleichtert das Abhusten. Aus dem genannten erschließen sich als mögliche Anwendungsgebiete Atemwegserkrankungen, einschließlich Asthma bronchiale.
Im Magen werden die Sekretion von Magensäften vermindert sowie die Schleimhautbarriere verbessert. Die keimhemmende Wirkung der Süßholzwurzel richtet sich auch gegen Helicobacter pylorii, jenen Keim, der für viele Magengeschwüre verantwortlich ist. Sind solche bereits eingetreten, kommt es zu einer rascheren Abheilung. Der ausgeprägte schleimhautprotektive Effekt im Gastrointestinaltrakt wirkt sich auch bei medikamenteninduzierten Schleimhautschäden günstig aus: durch Acetylsalicylsäure (ASS) hervorgerufene Schleimhautschäden werden reduziert.

Das Wirkprofil der Süßholzwurzel weist außerdem eine schützende Wirkung gegenüber leberschädigenden Stoffen auf. Mögliche Anwendungsbereiche sind auch chronische Hepatitis B und C. In sämtlichen Studien ist hier ein Absinken erhöhter Leberwerte (GPT und GOT) belegt. Im ostasiatischen Raum werden bestimmte Extrakte als Infusionstherapie bei der chronischen Hepatitis und der Leberzirrhose eingesetzt.
Zudem wurde für einen bestimmten Inhaltsstoff der Pflanze eine nachhaltige Wirkung auf die Gehirnleistung älterer Männer nachgewiesen.

Weitere Informationen zur Therapie mit Süßholzwurzel

Süßholzwurzel ist besonders geeignet zur Therapie der Ulkuskrankheit des Magens und Duodenums. Eine Anwendung ist auch zur unterstützenden Behandlung bei krampfartigen Beschwerden im Rahmen einer Gastritis oder dem Reizmagen möglich. Die Süßholzwurzel ist aufgrund ihrer auswurffördernden und entzündungshemmenden Wirkung auch bei Katarrhen der oberen Luftwege sowie Husten, Bronchitiden und Asthma bronchiale indiziert. Ein mögliches Einsatzgebiet besteht ferner bei Hauterkrankungen wie dem atopischen Ekzem (Neurodermitis). In diesem Fall werden bestimmte Salben eingesetzt. Dies gilt auch bei Herpes-simplex-Infektionen. Zubereitungen mit Süßholzwurzelextrakten sind geeignet zu Vermeidung von Hautirritationen und entzündlichen Hautveränderungen.

Zu beachten ist jedoch, dass es bei längerer Anwendung aufgrund einer wasserspeichernden Wirkung zu einer vermehrten Flüssigkeitseinlagerung kommen kann. Bei Lebererkrankungen aufgrund von Gallestauungen, Leberzirrhose, Bluthochdruck, Hypokaliämie, schweren Nierenfunktionsstörungen und Schwangerschaft sollte eine längere Therapie unterlassen werden.

Die mittlere Tagesdosis beträgt für Erwachsene ca. 5–15 g Droge, entsprechend 200–800 mg Glycyrrhizin. Vom Süßholzwurzelsaft werden bei Katarrhen 1,5–3,0 g bei Ulcus ventriculi/duodeni bzw. 0,5–1 g eingenommen.

Süßholztee

Süßholz wird oft als Beigabe in Beuteltees genossen. Hochwertiger ist es allerdings, den Tee direkt aus Süßholzwurzel aufzugießen. Sie bekommen Süßholz beispielsweise in geraspelter Form in Apotheken und gut sortierten Drogerien. Für einen Süßholz-Tee übergießen Sie ein bis zwei Teelöffel pro Tasse mit kochendem Wasser und lassen den Tee ca. 10-15 Minuten ziehen.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum

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