Beim Blick über die Wiesen sind zur Zeit hochaufgerichtet auffällige doldentraubige Blütenstände zu sehen die aus vielen creme- bis gelblichweiße Einzelblüten bestehen. Sie verströmen – insbesondere abends – einen intensiven, honig- bis mandelartigen Geruch.
Es ist die Wiesenkönigin oder gängiger die Mädesüß, eine Vertreterin der Rosengewächse (Rosaceae). Sie ist in Europa, Sibirien bis in die östliche Mongolei und Nordamerika, anzutreffen. Ihr derber, kantiger Stengel ist rot überlaufen und meist oberwärts verzweigt. Die Blätter sind gefiedert und am Rand gekerbt bis gesägt.
Eine medizinische Verwendung der Mädesüß ist in der Antike nicht bekannt. Zu späteren Zeiten wurde sie als wassertreibendes und zusammenziehendes Mittel, bei Diarrhöen und bei rheumatischen Erkrankungen sowie bei Bluterkrankungen eingesetzt. Gerard schreibt, dass die in Wein gekochten Blüten nach ihrem Genuss die „Zustände eines bestimmten Alters hinwegtragen und das Herz fröhlich stimmen“ würden. In der Volksheilkunde wurden die Blüten gerne zur „Blutreinigungskur“ eingesetzt.
Aufgrund des vanilleartigen Geruchs wurde die Mädesüß früher zum Aromatisieren von Bier, Wein und Met verwendet. Im Mittelalter gehörte sie zu den Pflanzen, die als Duftstoffe auf den Boden gestreut wurden. Den keltischen Druiden galt sie, zusammen mit Wasserminze und Eisenkraut, als heilige Pflanze. Das zarte, zierliche und liebliche Aussehen der Pflanze führte zum Namen „Mädesüß“. Wegen ihres hohen, die Wiesengräser überragenden Blütenstands wurde sie auch „Wiesenkönigin“ genannt.
Mädesüßkraut bzw. die Blüten, beides geerntet zur vollen Blüte, enthalten ätherisches Öl, das zum großen Teil aus Salicylaldehyd besteht, einer dem Aspirin ähnlichen Substanz. Zudem enthält die Pflanze Flavonoide (natürliche Pflanzenfarbstoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung), Gerbstoffe und Schleimstoffe sowie Vitamine (E, C). Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe wirkt die Mädesüß fiebersenkend und entzündungshemmend, möglicherweise sogar schweißtreibend. Außerdem wurde eine antimikrobielle Wirkung nachgewiesen. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend (adstringierend). Zudem scheint eine wassertreibende Wirkung vorzuliegen. Die pulverisierte Krautdroge soll wundheilungsfördernde Eigenschaften besitzen.
Mädesüßblüten werden bei Erkältungskrankheiten bzw. fiebrige Erkältungskrankheiten, bei denen eine Forcierung des Schwitzens und eine Förderung der Harnausscheidung erwünscht sind, eingesetzt. In der Volksmedizin wird die Droge bei Blasen- und Nierenbeschwerden, einschließlich Blasenentzündungen, Kopfschmerzen, rheumatischen Beschwerden der Gelenke und der Muskulatur sowie Gicht eingesetzt. Nebenwirkungen sind keine bekannt, aber aufgrund der enthaltenen Salicylate soll die Pflanze nicht bei Salicylat- Überempfindlichkeit angewendet werden.
Das Team des Kneippianum’s empfiehlt eine Tagesdosis für Erwachsene von 2,5–3,5 g Blüten bzw. 4–5 g Kraut, bei der Tinktur werden 2–4 ml eingenommen.

