Menschen im Kneippianum: Schwester Waldefried

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Die Menschen. Basis der Kneipp’schen Lehre sind die fünf Säulen: Wasser-Güsse, Bewegung, Ernährung, Kräuterheilkunde und die Ordnungstherapie. Für jede dieser Säulen stehen im Kneippianum verschiedene Menschen ein. In KNEIPP LIEBT DICH, dem Blog des Kneippianums, wollen wir einige der Menschen vorstellen, die den Gästen helfen, die fünf Säulen zu leben. In diesem Beitrag geht es um die Ordnungstherapie – wir begegnen der Oberin Schwester Waldefried

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„Das Leben ist mehr als Arbeiten, Geld verdienen und gut essen“, sagt Schwester Waldefried. Sie sagt das in der ihr eigenen, sehr unprätentiösen Art. Mit fester Stimme und der Kraft einer inneren Gewissheit. Und das ist etwas, was man sofort spürt, wenn man auf die Oberin trifft. Sie sagt die Dinge nicht wie so manch selbst erklärter Lebensberater etwas sagt – wo man immer eher den Eindruck hat, es handele sich um einen Werbe-Slogan. Die Ordensschwester spricht mit einer ganz anderen Ruhe. Das erkennt man gleich. Und nach und nach erkennt man auch den wesentlichen Unterschied: Schwester Waldfried will nicht überzeugen – sie handelt aus Überzeugung. 

Schwester Waldefried steht in der Kapelle des Kneippianums. Eine groß gewachsene Dame mit silber-blondem Haar und goldener Brille. Über dem grauen Habit trägt sie eine schwarze Fleece-Jacke. Morgens, wenn sie um 4.30 Uhr aufsteht, kann es noch recht kühl sein. Hinter ihr der Altar eines eher schlicht gehaltenen Gotteshauses. Ein kleiner Stapel Gesangsbücher liegt bereit, einige wenige verteilen sich noch auf den Bänken. Eine eher überschaubare Schar Gläubiger scheint am Gottesdienst teilgenommen zu haben. Eine Kirche im 21. Jahrhundert. Auch die Kapelle des Kneippianums füllt sich vor allem an Festtagen. Deshalb erweitert sich die Nutzung des Gotteshauses – moderne Seelsorge folgt nicht mehr nur den Konfessionen. Sie folgt vor allem den Bedürfnissen der Menschen.

 

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„Alternativ zu den regulären Gottesdiensten machen wir Angebote an Menschen, die religiös fernstehend sind“, die Frau Schwester Oberin formuliert vorsichtig. Schon bei der Begrüßung neuer Gäste mache sie klar, dass es ihr nicht um die göttliche Lehre gehe, sondern um die christliche Ausrichtung. Schwester Waldefried sieht darin die Basis. Auch für die christlich orientierten Meditationsübungen, zu denen sie regelmäßig lädt. 10 bis 15 Personen nehmen regelmäßig daran teil. Und sie spüren die Kraft und das Mantra einer besonderen Lehre, die auf viele Anfechtungen der modernen Zeit Antworten findet. Schwester Waldefried sagt: „Es ist wichtig, zur Ruhe zu kommen.“

„Wir sind so ausgefüllt mit dem Alltag, das andere Dimensionen kaum einen Platz darin finden. Für mich als Gläubige hat das Leben aber noch den transzendenten Aspekt. Doch ich will den Gästen nichts überstülpen.“ Die Angebote, das gibt die Frau Schwester Oberin zu, werden sehr unterschiedlich angenommen. Oft lese sie im Rahmen der Meditation Geschichten oder Gleichnisse vor, die auch ausgedruckt verteilt werden. Und immer nehmen die Gäste diese Zettel mit. Für die Oberin ein Beweis, wie sehr die Menschen nach Rat suchen.

 
 
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Die Lehre Kneipps schätzt die Schwester, weil sie über das Äußere den Zugang zum Inneren des Menschen findet. Güsse und Massagen lassen uns spüren, dass wir Wesen aus Körper, Geist und Seele sind. Um die Seele zu erreichen, muss der Körper seinen Raum öffnen. Bei Schicksalsschlägen – Todesfall in der Familie, eigene Krankheit – sucht man spirituelle Orientierung. Die Lehre Kneipps bietet die Möglichkeit, über Anwendungen auch zu einer eigenen Spiritualität zu finden. Und Schwester Waldefried lebt selbst gern vor wie das geht. Wenn sie etwa mit den Gästen den Barfußpfad abschreitet. Die Nonne geht im weißen Habit voran, die anderen folgen. Wer danach mit lebendig pulsierenden Füßen im Park von Bad Wörishofen steht, wird sich vor nehmen, öfter das Leben so zuzulassen. Und überhaupt: das Leben…

Wir wollen von Schwester Waldefried wissen, wie sie zu Kneipp gekommen ist. Sie lacht herzlich (Schwester Waldefried lacht gern). Sie erzählt, dass sie aus Eichach stamme, und als junges Mädchen wollte sie nie nach Bad Wörishofen. Als sie 70 Jahre alt war, fühlte sie sich aber jung genug, um etwas Neues zu machen. Der Orden – Schwester Waldefried ist eine Franziskanerin – beschloss, sie an diesen Ort zu schicken. „Ich habe ein Buch über Kneipp gelesen und gedacht: Das ist okay.“ Wieder lacht sie herzlich. Es ist interessant, dass man selbst darin spürt, was diese jung-gebliebene Frau ausmacht: eine ungekünstelte Natürlichkeit, die unglaublich gut tut. Und so begegnet man auch hier der Seele des Kneippianums: Es ist ein echter Ort. Authentisch. Wahr. Mit großartigen Menschen.

 
 
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