Pflanze des Monats August: Mädesüß

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Filipendula ulmaria: Eine Pflanze der Familie der Rosengewächse

Beim Blick über die Wiesen sind zur Zeit hochaufgerichtet auffällige doldentraubige Blütenstände zu sehen die aus vielen creme- bis gelblichweiße Einzelblüten bestehen. Sie verströmen – insbesondere abends – einen intensiven, honig- bis mandelartigen Geruch. Es ist die Wiesenkönigin oder gängiger die Mädesüß, eine Vertreterin der Rosengewächse (Rosaceae).  Sie ist  in Europa, Sibirien bis in die östliche Mongolei und Nordamerika, anzutreffen. Ihr derber, kantiger Stengel ist rot überlaufen und meist oberwärts verzweigt. Die  Blätter sind gefiedert und am Rand gekerbt bis gesägt.

Heilkraft & Wirkung

Eine medizinische Verwendung der Mädesüß ist in der Antike nicht bekannt. Zu späteren Zeiten wurde sie als wassertreibendes und zusammenziehendes Mittel, bei Diarrhöen und bei rheumatischen Erkrankungen sowie bei Bluterkrankungen eingesetzt. Gerard schreibt, dass die in Wein gekochten Blüten nach ihrem Genuss die „Zustände eines bestimmten Alters hinwegtragen und das Herz fröhlich stimmen“ würden. In der Volksheilkunde wurden die Blüten gerne zur „Blutreinigungskur“ eingesetzt. Aufgrund des vanilleartigen Geruchs wurde die Mädesüß früher zum Aromatisieren von Bier, Wein und Met verwendet. Im Mittelalter gehörte sie zu den Pflanzen, die als Duftstoffe auf den Boden gestreut wurden. Den keltischen Druiden galt sie, zusammen mit Wasserminze und Eisenkraut, als heilige Pflanze. Das zarte, zierliche und liebliche Aussehen der Pflanze führte zum Namen „Mädesüß“. Wegen ihres hohen, die Wiesengräser überragenden Blütenstands wurde sie auch „Wiesenkönigin“ genannt. Mädesüßkraut bzw. die Blüten, beides geerntet zur vollen Blüte, enthalten ätherisches Öl, das zum großen Teil aus Salicylaldehyd besteht, einer dem Aspirin ähnlichen Substanz. Zudem enthält die Pflanze Flavonoide (natürliche Pflanzenfarbstoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung), Gerbstoffe und Schleimstoffe sowie Vitamine (E, C). Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe wirkt die Mädesüß  fiebersenkend und entzündungshemmend, möglicherweise sogar schweißtreibend. Außerdem wurde eine antimikrobielle Wirkung nachgewiesen. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend (adstringierend). Zudem scheint eine wassertreibende Wirkung vorzuliegen. Die pulverisierte Krautdroge soll wundheilungsfördernde Eigenschaften besitzen.

Anwendungsgebiete

Mädesüßblüten werden bei Erkältungskrankheiten bzw. fiebrige Erkältungskrankheiten, bei denen eine Forcierung des Schwitzens und eine Förderung der Harnausscheidung erwünscht sind, eingesetzt. In der Volksmedizin wird die Droge bei Blasen- und Nierenbeschwerden, einschließlich  Blasenentzündungen, Kopfschmerzen, rheumatischen Beschwerden der Gelenke und der Muskulatur sowie Gicht eingesetzt. Nebenwirkungen sind keine bekannt, aber aufgrund der enthaltenen Salicylate soll die Pflanze nicht bei Salicylat- Überempfindlichkeit angewendet werden. Das Team des Kneippianums empfiehlt eine Tagesdosis für Erwachsene von 2,5–3,5 g Blüten bzw. 4–5 g Kraut, bei der Tinktur werden 2–4 ml eingenommen.

Mädesüß in der Küche

Die blühende Mädesüß lockt mit ihrem Duft nach Vanille und Mandel. Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Pflanze auch den Weg in die Küche gefunden hat. Mit Wasser, Zitronensäure und Zucker aufgekocht ergibt sich ein Sirup, welcher sich in der Hausapotheke als hervorragendes Mittel gegen Kopfschmerzen eignet, denn Mädesüß enthält Salicylsäure, denselben Wirkstoff, der auch in Aspirin zu finden ist. Als Gelee eignet sich Mädesüß außerdem als außergewöhnlicher Brotaufstrich.

Mädesüss-Gelee mit Apfel

Zutaten:

  • ca. 5 Hände voll Mädesüßblüten
  • 2l Apfelsaft
  • Saft von 2 Zitronen
  • 1 kg Zucker
  • 3 Päckchen Gelierzucker 3:1
  • 30g Zitronensäure

Zubereitung: Die Mädesüßblüten werden zusammen mit dem Apfel- und Zitronensaft sowie etwas abgeriebener Zitronenschale aufgekocht. Der Saft wird anschließend über Nacht in den Kühlschrank gestellt damit die Flüssigkeit die Aromen optimal aus den Blüten entziehen kann. Der Mädesüßsaft wird nach einer Ziehdauer von mindestens zwölf Stunden mit einem Sieb von den Feststoffen getrennt und nochmals aufgekocht. Sobald der Saft kocht, wird das Gelierfix, der Zucker und die Zitronensäure untergerührt, bis sich alles aufgelöst hat. Das heiße Gelee kann nun in Marmeladengläser abgefüllt und verschlossen werden. Als Highlight kann noch einen Esslöffel Mädesüßblüten vor dem Verschließen in das Marmeladenglas gegeben werden. Hierbei ist zu beachten das Glas vor dem erkalten einige Male zu drehen, damit sich die Blüten gut verteilen. Das Team des Kneippianums Bad Wörishofen wünscht Ihnen viel Erfolg beim Nachkochen und berät Sie gerne mit ihrem Kräuterwissen zu der Wirkung und den Anwendungsgebieten des Mädesüß.

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