Die Pflanze des Monats Oktober: Der Kürbis

Aufrufe

553

Vielseitiges Nahrungs- und Heilmittel

Man sieht sie wieder liegen, am Straßenrand oder in den Gärten – große, sehr große, orangene Früchte. Es ist wieder die Zeit des Kürbis (Cucurbita pepo).

Botanische Merkmale

Der Kürbis, aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), stammt aus Mexiko und Texas und wurde von den Spaniern nach Europa gebracht. Die einjährige Pflanze bildet niederliegende, bis 10 m lange, scharfkantige oft längsgefurchte Ranken aus. Ihre großen, fünflappigen, gestielten Blätter sind borstig behaart und haben einen gesägten Rand. Die getrenntgeschlechtlichen Blüten sind groß und leuchtend gelb mit trichterförmiger Korolle. Blütezeit ist Juni bis August.

Die riesigen kugeligen Früchte mit einem Durchmesser von 15-40 cm gehören botanisch zu den Beeren. Sie enthalten zahlreiche Samen, die medizinisch genutzt werden. Die Gestalt des Kürbisses umfasst verschiedenartigste Formen und Farben. Das Fruchtfleisch ist faserig und gelborange. C. pepo ist sehr formenreich. Es liegen zahlreiche Varietäten vor.

Der Kürbis: seit tausenden Jahren kultiviert

Der Kürbis gehört zu den ältesten indianischen Kulturpflanzen. Die frühesten Nachweise des gemeinen Kürbis stammen aus Südmexiko und werden auf eine Zeit um 10.000 v. Chr. datiert. Die Indianer züchteten aus den sehr bitteren birnengroßen Wildkürbissen wohlschmeckende Früchte.

Nahrungsmittel und Medizin

Für die Azteken war der Kürbis neben Bohnen und Mais eines der wichtigsten Nahrungsmittel. Nach Europa kam er kurze Zeit nach der Entdeckung Amerikas. Erstmalig wird er bereits 1523 im Kräuterbuch des Leonhard Fuchs beschrieben.

Verwendet wurden bzw. werden medizinisch die Kürbiskerne – bei innerem Gebrechen, Nierenentzündungen, Lebersucht, Harnwinde und Blasenleiden. Zudem wurden die Kerne zur „Wachstumsanregung des frischen Fleischs“ in Wunden eingestreut.

Der Kürbis und das Brauchtum

Nachdem der Kürbis im europäischen Kulturraum auftauchte, hielt er auch im Brauchtum Einzug. Häufig bezogen sich die Bräuche auf die Größe der Frucht. Da die Pflanze große Früchte ausbildet war es naheliegend noch größere zu wollen. Zu diesem Zweck steckte man die Samenkerne an Himmelfahrt wenn die Glocken läuten in die Erde, damit sie so groß wie Glocken werden. Es existierten noch verschiedene andere Prozeduren um ein „großfruchtiges“ Ergebnis zu erzielen.

Die Größe der Frucht eignete sich hervorragen zur Symbolbildung – als ein Symbol für Wohlstand, Überfluss und Potenz. Jedoch sah man in ihm – hohl und ohne langen Bestand – auch ein Bild für einen Emporkömmling, der rasch wieder in seinen minderen Stand zurückfällt. Ebenso war er ein Symbol für Dummheit und Hohlköpfigkeit.

In Afrika hingegen wird in ihm der fruchtbare und schöpferische Mutterschoß verehrt; er liefert in den heißen Ländern ein saftiges, frisches Nahrungsmittel. Der Gattungsname „Cucurbita“ stammt aus dem lateinischen von „cucumis = Gurke“ und „orbis = Erdkreis“ und verweist auf die Form der Frucht. Das griechische „pepo = reif, weich, mürbe“ bezieht sich auf die Konsistenz der Frucht.

Inhaltsstoffe des Kürbisses

Medizinisch werden nur bestimmte Züchtungen des Kürbisses verwendet. Wichtige Inhaltsstoffe sind Phytosterole, pflanzliche Stoffe ähnlich dem Cholesterin, Hinzu kommen 30-50% fettes Öl, Fettsäuren, 25-42% Proteine und 6-10% Kohlenhydrate sowie 4-6% Rohfasern. Das fette Öl des Kürbissamens enthält bis zu 64 % Linolsäure und 0,2-5% Linolensäure sowie in hohem Maße (385-483 mg) Vitamin E und Carotinoide. Hoch ist auch der Gehalt an Selen; daneben noch weitere Spurenelemente, wie Mangan, Zink, Kupfer.

Medizinische Verwendung und Wirkung von Kürbiskernen

Kürbis - die Pflanze im Oktober - (c) pixabay

Kürbis – die Pflanze im Oktober – (c) pixabay

Kürbiskernsamen wirken aufgrund der enthaltenen Phytosterole auf die Prostata. Dies basiert auf einer Beeinflussung hormoneller Mechanismen. Die Sterole scheinen verschiedene prostatische Stoffwechselparameter (z.B. saure Phophatase, PSA) zu normalisieren. Aufgrund der Tocopherole und des Selens kann eine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung angenommen werden. Die Tocopherole führen zu einer Kräftigung von Bindegewebe und Muskulatur.

Die Magnesiumsalze bewirken eine Verbesserung der neuromuskulären Funktionen. Linolsäure, als Vorläufer bestimmter natürlicher körperlichen Botenstoffe (Prostaglandine E2 und E2α) kann die Regulation der Blasenmuskulatur in ihrem Zusammenspiel positiv beeinflussen. Kürbiskernsamen wirken zudem wassertreibend, ferner zeigen bestimmte Kürbissamenauszüge gegenüber Bakterien eine keimhemmende Wirkung.

Einsatzgebiete des Kürbissamens sind Harnbeschwerden im Rahmen einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) sowie Reizblase. Beschwerden, wie verzögertes und häufiges Harnen, Restharngefühl, abgeschwächter Harnstrahl oder Harninkontinenz, werden gebessert. Zudem wird die Blasenmuskulatur gestärkt, der Blasentonus reguliert und die Austreibungskraft gesteigert. Wie klinische Studien zeigen, ist auch bei Einnässen ein Therapieversuch mit Kürbissamen sinnvoll.

In der Volksheilkunde wurden Kürbissamen auch als wassertreibendes Mittel bei Nierenentzündungen, bei Darmparasiten, besonders bei Spul- und Bandwürmern, sowie äußerlich zur Wundheilung eingesetzt. In der brasilianischen Volksheilkunde werden die Kürbissamen überdies bei Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen eingesetzt. Die Wirkung von Kürbissamen tritt erst nach einigen Wochen ein, weshalb die Anwendung über mindestens 6–9 Monate erfolgen sollte.

Therapeutisch werden zur Sicherstellung einer ausreichenden Wirkstoffkonzentration fast ausschließlich Spezialzüchtungen verwendet. Die anderen im Handel befindlichen Sorten weisen große Schwankungen im Wirkstoffgehalt auf. Die Ernte der Samen erfolgt im September und Oktober. Kürbissamen ist von ölig-süßlichem Geschmack. Die mittlere Tagesdosis beträgt 10 g Samen, Zubereitungen entsprechend. Meist in Form von wässrig-ethanolischen Extrakten mit unterschiedlichem Drogen-Extrakt-Verhältnis, die Tagesdosis liegt hier bei 500–1000 mg Extrakt.

Gesundheitsförderliches Kürbiskernöl

Auch der Konsum von Kürbiskernöl unterstützt die Gesundheit. Aufgrund seiner Hitzeempfindlichkeit sollte es nur für Salate und Rohkost verwendet werden. Es wird zumeist aus dem Steirischen Ölkürbis hergestellt, da die Samen dieser Sorte nicht durch eine verholzende Samenschale geschützt werden, sondern nur durch ein dünnes Silberhäutchen. So ist eine effizientere Pressung möglich.

Rezept: Kürbispesto

Probieren Sie folgendes Herbstrezept:

  • 150 g Kürbiskerne, geröstet und gemahlen
  • 150 g Kürbiskernöl
  • 100 g Muskatkürbis-Fleisch
  • 2 EL Parmesan, gerieben
  • Pfeffer, Salz

Greift man auf ganze Kürbiskerne zurück, eignet sich zum Reiben eine elektrische Kaffeemühle. Das Kürbisfleisch ebenfalls fein reiben. Alle Zutaten miteinander vermischen und das Pesto in Einmachgläser füllen. Es hält sich gut gekühlt etwa 2 Wochen. Das Kürbiskernpesto eignet sich für Nudelgerichte, aber auch zum Verfeinern von Rohkostgerichten, zu Schafkäse oder Räucherfischen.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum

Keine Kommentare zu Die Pflanze des Monats Oktober: Der Kürbis

Hinterlasse eine Antwort