Kneipp und die Fragen der Zeit

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Kneippianum-Bad-Woerishofen©SBaade-10

„Sebastian… wer?“ fragt die junge Kollegin im Hamburger Redaktionsbüro. Und ruhig hört sie sich die Kurzfassung vom Leben und Wirken des einst berühmten Deutschen an: Vor knapp 200 Jahren geboren, wächst Sebastian Kneipp in Armut auf und erhält dennoch die Chance, Theologie zu studieren. Fast 30-jährig erkrankt er an Tuberkulose. Er heilt sich selbst mit den Wassern der Donau. Daraus entsteht die Grundlage für seine auf Bädern und Güssen basierende Therapie. Deren Wirksamkeit spricht sich herum. Auch andere Menschen, die an Krankheiten leiden, lassen sich behandeln. Und weil die Nachfrage nie nachlässt, bietet Kneipp auch als Pfarrer noch seine Bäder an – und wird wegen Kurpfuscherei angeklagt.

Doch es gibt viele Menschen, die dem Pfarrer Kneipp danken, dass er sie geheilt habe: vor allem von der Cholera, man nannte ihn auch den „Cholera-Kaplan“. Als Hausgeistlicher kommt er nach Wörishofen und macht den Ort quasi im Alleingang zum Kurort, der tausende Menschen anzieht. Allein im August 1889 sollen 4.000 Hilfesuchenende in den Ort gekommen sein. Sogar der Papst ersucht Kneipp’sche Hilfe. Und bald ist der Wasser-Doktor der bekannteste Deutsche neben Bismarck. „Bismarck?“, fragt die junge Kollegin jetzt und lacht sofort los, damit wir den Scherz erkennen. „Aber mal im Ernst: Hat Kneipp uns heute noch was zu sagen?“

 

Kneipp

Sebastian Kneipp mit Hund

 

Seit Kneipps Tod vor rund 120 Jahren hat sich viel geändert. Landflucht. Industrialisierung. Kriege. Wirtschaftswunder. Sozialgesetzgebung. Das Entstehen einer präventiven Gesundheitspolitik, die zur Basis des Kurwesens wird. Orte entwickelten sich zu Bädern. Ihr Dresscode: Bademantel. Die Stimmung: gedämpft. Das Ende der Kur-Verordnung bedeutet eine wirtschaftliche Herausforderung. Der Wellness-Boom setzt neue Prioritäten, Seele baumeln lassen statt Therapie. Hot Stone statt kalte Güsse.

Doch schon bald zeigt sich, dass Streichel-Einheiten nicht genügen, will man sich aus dem Dickicht des Alltags befreien und Frieden finden im Hier und Jetzt. Die Menschen suchen nach Orientierung, sie melden sich an für Yoga-Kurse, besuchen Meditations-Gruppen, reisen in Ayurveda-Resorts. Es ist verblüffend, dass wir in diesen Zeiten fragen, was Kneipp uns noch zu sagen hat. Dabei ist es naheliegend: Kneipp hat eine Lehre geschaffen, die in unsere westliche Welt passt. Eine Lehre, die weit mehr zu bieten hat als Wassergüsse. Und die Antworten bereit hält auf viele Probleme, die uns sehr gegenwärtig scheinen. Eine Lehre, die im Kneippianum gelebt wird.

In diesem Blog werden wir aufweisen, dass Sebastian Kneipp viel mehr zu bieten hat, als man denken mag. Wir wollen zeigen, dass die Kneipp’sche Lehre das Zeug dazu hat, ein westliches Ayurveda zu sein. Modern interpretiert, an die Bedürfnisse zeitgenössischer Körper- und Seelenzustände angepasst, finden wir bei Kneipp viele Antworten auf Fragen der Zeit. Und wer sich mit uns darauf einlässt, erkennt bald: Kneipp war kein may be. Er steht für seine Überzeugung und nimmt die Menschen an die Hand. Seine Anwendungen geben Halt. Auch in diesen Tagen. Keine Frage: Kneipp liebt dich.

Kneippianum-Bad-Woerishofen©SBaade-14

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