Kneipp-Moment für mehr Boden-Haftung: auf dem Barfuß-Pfad

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Kneippianum, Sebastianeum, Bad Woerishofen, Hotels und Naturheilzentren nach Kneipp. ©Susanne Baade

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Die Anwendungen. Fern von jeder Lexikon-Lyrik wollen wir in KNEIPP LIEBT DICH, dem Blog des Kneippianums, einige der Anwendungen beschreiben, die im Haus angeboten werden. Heute begeben wir uns auf den nach Kneipp angelegten Barfuß-Pfad, der 1550 Meter durch den Kurpark von Bad Wörishofen führt. Und lassen unsere Sohlen erspüren, was es mit den Bezeichnungen einzelner Stationen auf sich hat – Rosen-Fuß, Sumpf-Fuß oder Maß-Fuß?

 

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Eigentlich müsste man auch die Augen schließen – um dann jeden Schritt noch intensiver zu erleben. Wie der Fuß sich durch den weichen, aber auch etwas pieksigen Mulch tastet. Wie grobkörniger Kiesel die Sohlen massiert. Die raue und zugleich warme Oberfläche runder Baumscheiben. Die leicht glitschigen Steine im eisigen Wasser eines munteren Bachlaufs. Wie sich der Schlamm in einer Kuhle zwischen den Zehen hindurchdrückt…

Es ist verblüffend und schön, wie viele Abenteuer der Alltag für uns noch bereit hält, weil wir sie irgendwie verlernt haben. Barfuß gehen kann so eines dieser Abenteuer sein. Viele von uns tragen ständig Schuhe. Man erhebt sich aus dem Bett und schlüpft mit den Füßen in die Hausschuhe. Man geht zur Arbeit oder in den Ort in Straßenschuhen. Im Schwimmbad trägt man Badeschuhe. Es gibt Sport- und Wanderschuhe, Rad- und Ausgehschuhe. Für jede unserer Aktivitäten haben wir die passende Fußbedeckung.

 

Kneippianum, Sebastianeum, Bad Woerishofen, Hotels und Naturheilzentren nach Kneipp. ©Susanne Baade

Und so hat es fast etwas subversives, als die Teilnehmer der kleinen Gruppe, der wir uns angeschlossen haben, auf Geheiß von Oberschwester Waldefried, jetzt im Park von Bad Wörishofen die Schuhe ausziehen. Und nun barfuß sind. Es ist wie nackt sein. Eine Teilnehmerin fragt ungläubig: „Sollen wir die Schuhe einfach hier stehen lassen?“ Die Schwester Oberin lacht. „Die wird schon keiner stehlen.“

Damit er sein Leben nicht nur an einem Ort verbringe, so eine Redensart, habe der Mensch Füße. Wäre das anders geplant, würde der Mensch Wurzeln haben. Diese Sottise hat einen gewissen Charme. Die beiden Sätze unterstreichen unsere Wanderlust und unsere Neugier. Doch sie beschreiben auch unsere Rastlosigkeit. Ja, man könnte sogar sagen, dass es uns manchmal ein wenig an Bodenhaftung fehle. Barfuß gehen, so Sebastian Kneipp, härtet nicht nur ab, es erdet auch. 

 

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Wir folgen Schwester Waldefried über den nach Kneipp angelegten, rund 1,5 Kilometer langen Barfußpfad durch den Park von Bad Wörishofen im Allgäu. Wir spüren harte und weiche, kalte und feuchte, spitze und matschige Untergründe und genießen das Leben, das daraufhin durch die Füße pulsiert. Gehen, Spüren, Innehalten. Sich seiner selbst bewusst sein. Eine Reise der Sinne. Dazu ein Effekt, den Sebastian Kneipp so beschrieb: „Das Barfußgehen gewöhnt unsere Natur (den Körper) am meisten an die Erde. Dabei wird das Blut nach unten geleitet, der Blutumlauf geregelt und die Füße gekräftigt.“

Aber wir gehen gar nicht nur therapeutisch. Wir haben auch Spaß dabei. Balancieren über einen Balken, auf dem verschiedene Fuß-Maße abgetragen sind: Englischer Fuß, Deutscher Fuß, Chinesischer Fuß. Der Rosenfuß duftet und piekst ein wenig. Beim Sumpf-Fuß versinken wir bis zu den Knien und lachen über unsere braunen Beine. Beim Labyrinth-Fuß geht es durch einen Parcour diverser Untergründe. Und wir schließen die Augen, gehen vorsichtig – mit den Zehen tastend – voran…

Zum Abschluss führt uns Schwester Waldefried an das klassische Kneipp-Becken im Park. Wir kühlen unsere nunmehr von all den Eindrücken sensibilisierten Füße. Unsere Schuhe stehen noch unter der Bank. Wir nehmen sie einfach in die Hand und schlendern zurück ins KNEIPPIANUM.

 
 
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