Die Pflanze des Monats Juli: Holunder

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Holunder – Eine Wohltat für Körper und Gaumen

Bis in den Juli hinein sind in Wäldern, an Flussufern oder an alten Scheuten die Blüten des Holunders anzutreffen, ihren typischen, eigenartigen Geruch verbreitend. Der Holunder, auch  Alhorn, Elhorn, Eiderbaum, Fliederbeeren, Holder, Holler, Elder, Pisseke, Schwarzholder genannt, ist eine Pflanze die uns Menschen in den hiesigen Breiten immer aufs engste begleitete.

Die Geschichte des weißen Holunderstrauches

Zahlreiche volkstümliche Mythen ranken sich um ihn. Er wurde als Sitz guter, beschützender Hausgötter angesehen. Nahezu jeder kleine Garten hatte seine „Hollerecke“. Voll Ehrfurcht machten die Mädchen im Vorbeigehen einen Knicks, die Männer zogen ihre Hüte. Der Hollerstrauch war zudem ein Schutzbaum für junge Eheleute, Witwen und Waisen. Nur sie durften das Holz verbrennen, ohne bestraft zu werden. Geweiht war er der Holla oder Freia, der höchsten der germanischen Göttinnen, die als Licht- und Sonnengöttin, Göttin der Liebe sowie als Gattin des Odin auch als Totengöttin erscheint.

Bei den Germanen wurde der Holunder als Baum des Heils verehrt. Er schützte vor Feuer, Seuchen, Zauberei – schlichtweg vor allem Bösen. Der Schlaf in seinem Schatten war behütet. Schlangen und Mücken konnten einem nichts anhaben; vor Verzauberung war man gesichert. Mit Holunder konnten Hexen entlarvt und auch das Vieh vor Verzauberung geschützt werden.

Heilkraft & Wirkung

Im Volksglauben war er der geeignetste Baum, auf den Krankheiten übertragen werden können; beispielsweise biss man an Karfreitag in einen Holunderast, um sich von Zahnschmerzen zu befreien.  Abgesehen von diesen mittlerweile etwas rustikalen Therapiemethoden ist der Holunder eine heilende Pflanze, die sich für so manche Krankheit sinnvoll einsetzen lässt.

Den Holunderblüten wird eine schweißtreibende Wirkung zugesprochen. Nachgewiesen ist ein schleimlösender Effekt, vermutlich wird die Bronchialsekretion vermehrt. Zudem wird die unspezifische Körperabwehr mobilisiert. Die Droge wirkt leicht harntreibend. In höherer Konzentration kommen in Holunderblüten bestimmte Stoffe vor, die die Anheftung  von Helicobacter pylorii an die Magenschleimhaut hemmen.

Die Holunderblüten werden bei fieberhaften Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten angewendet. Sie werden als Tee verabreicht, teils auch in Form eines Gurgelwassers. Auch als Blutreinigungsmittel bei Hautunreinheiten und üblem Körpergeruch werden sie hoch gelobt. Nach § 109 a werden sie in Kombination mit anderen Stoffen „zur Besserung des Befindens bei Erkältungskrankheiten“ eingesetzt.

Holunderblütentee

Geerntet werden die gesamten Blütenstände von Mai bis Juli. Die mittlere Tagesdosis der Holunderblüten beträgt für Erwachsene 10–15 g Droge. Tee: 2 TL (1 TL = etwa 1.5 g) der Holunderblüten mit 1 T. Wasser kochend übergießen und 15 Min. ziehen lassen. Mehrmals tgl. 1 Tasse getrunken. Bei Schwitzkuren ca. ½ l zuführen, ein Vollbad unterstützt die Wirkung. Zur Teezubereitung von den Holunderbeeren 10 g Droge, mehrmals täglich 1 Tasse Tee trinken, vom Saft mehrmals täglich 200 ml trinken.

Die schwarzen Beeren

Holunderfrüchte enthalten viele Flavonoide und Anthocyanglykoside, Naturstoffe großer Heilkraft. Auch liegen viele Vitamine vor. Auf 100 g frischen Beeren liegen ca. 65 mg Vitamin B2, 18 mg Vitamin C und 17 mg Folsäure vor. Die Anthocyanglykoside in den Früchten wirken antioxidativ. Die antioxidative Potenz von Holunderbeeren übersteigt die der Schwarzen Johannisbeeren. Für einen Extrakt aus Holunderfrüchten wurde eine ausgeprägte antivirale Wirkung, u.a. gegen Influenza-, Herpes- simplex- und HI- Viren festgestellt.

Holunderbeeren werden traditionell, zumeist als Mus, bei Erkältungskrankheiten und Husten verwandt, wo ihnen ein guter Effekte zugesprochen wird. Bei Influenza- Infektionen ist nachweislich eine therapeutische Wirksamkeit gegeben. In Form eines Safts dienen Holunderbeeren als Abführmittel. Gut verträglich ist der gekochte Saft, roh ruft er gelegentlich Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö hervor. Beliebt ist Holundersirup. Dazu wird der frisch ausgepresste Beerensaft mit der gleichen Menge Zucker oder Honig auf Sirupdicke eingekocht und heiß in die Flaschen abgefüllt.

Darf es etwas Ausgefallenes sein? Gebackene Holunderblüten

Die Holunderblüte findet in der Küche nicht nur als Basis für den beliebten Holunderblütensaft Verwendung. Die im Teig gebacken Blüten sind ein ausgefallener und köstlicher Snack für warme Sommernachmittage. Die Zubereitung ist recht einfach und benötigt nur ca. 15 Minuten.

Zutaten für ca. 4 Portionen:

  • 8 mittelgroße Holunderblüten
  • 150g Mehl
  • 1 EL Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL pflanzliches Öl
  • 1/8l Milch
  • 2 mittelgroße Eier
  • Frittierfett zum Herausbacken
  • Staubzucker und Zimt zum bestreuen

Zubereitung:

Rühren Sie Mehl, Zucker, Salz, Öl, Milch und Ei zu einem geschmeidigen Teig zusammen. Erhitzen Sie in der Zwischenzeit das Frittierfett und waschen Sie die frischen Holunderblüten unter fließendem lauwarmen Wasser. Wenn das Fett heiß ist, ziehen Sie die Holunderblüten samt Stängel vorsichtig durch den Backteig und backen sie die Blüten in dem heißen Fett goldbraun heraus. Vermischen Sie Staubzucker und Zimt und bestreuen Sie die gebackenen Holunderblüten nach belieben. Als Garnitur eignen sich hervorragend Früchte der Saison.

Das Kneippianum Team erklärt die gesundheitliche Bedeutung des Holunder: frischer Holundersaft wird in der Volksheilkunde auch zur Anregung der Harnausscheidung eingesetzt, ebenso zur Behandlung von Ischias, Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Neuralgien, insbesondere im trigeminalen Bereich. Aufgrund des hohen Anthocyangehaltes werden die Holunderbeeren als Ausgangsmaterial für Lebensmittelfarbstoffe herangezogen.

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