Heilen mit Waser – Die 5 Säulen Kneipp’s

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Wasserfall. ©Susanne Baade, The Smiling Moon.

„Das habe ich nicht erwartet – ich hätte nie gedacht, dass Wasser (in diesem Fall Wechselgüsse) so eine Wirkung haben kann“ – Worte eines unfallchirurgischen Kollegen, der kürzlich zur Erholung bei uns im Sebastianeum war. Woher sollte er es auch wissen? Lehrinhalte über Naturheilverfahren sind erst seit 2004 in der Approbationsordnung für Ärzte aufgeführt, also nach seiner Studienzeit. Vom Hörensagen wird Kneipp häufig nur mit unangenehmen kaltem Wasser und Abhärtung assoziiert. Aus gesundheitspolitischen Gründen gibt es Hydrotherapie nach Kneipp fast nur noch in Kurorten. Im ambulanten Bereich müssen sich niedergelassene Ärzte an die „Heilmittelverordnung“ halten, in der diese Anwendungen mit Wasser nicht aufgeführt sind und somit nicht erstattet werden. Sie werden daher von Therapeuten auch nicht mehr angeboten.

Anwendungen mit Wasser gehören zu den ältesten Naturheilverfahren und zählen mit Ernährung, Bewegung, Heilpflanzentherapie und (Lebens-) ordnung zu den „fünf Säulen“ Pfarrer Kneipps – auch die „klassischen Naturheilverfahren“ genannt. Hierbei handelt es sich eigentlich um Lebensweisheiten: jeder weiß heutzutage, dass Bewegung, gesunde Ernährung und stressreduzierende Maßnahmen gesundheitsfördernd bzw. krankheitsverhindernd sind. Die entsprechenden Empfehlungen sind sogar in den medizinischen Leitlinien für Übergewicht, Arterielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörung und Diabetes mellitus aufgeführt.
Die Wirkungen der Wasseranwendungen auf Immunsystem und vegetatives Nervensystem sind nur wenig bekannt. Um Erfolge zu erzielen, kommt es insbesondere auf serielle Applikationen und auf die Temperatur an: Regelmäßige Anwendungen mit kaltem oder wechselwarmen Wasser (z.B. Güsse, Bäder) stimulieren die Bildung von Abwehrstoffen und eine Vermehrung der Abwehrzellen im Blut (Anstieg bestimmter Lymphozyten). Weiterhin verbessern sie die Durchblutung der Nasen- und Rachenschleimhäute. Durch die dadurch wirksamere Schleimhautbarriere haben es Krankheitserreger schwerer in den menschlichen Organismus einzudringen und so erklärt sich in Zusammenhang mit der besseren Abwehrfunktion im Blut die verringerte Infektanfälligkeit („Abhärtung“).

Es ist ein großer Verdienst von Pfarrer Kneipp, dass der durch seine Beobachtungen das Prinzip der Reizabstufung erkannt hat. Die Reizstärke bzw. Kälteempfindlichkeit ist u.a. abhängig von der Jahres- und Tageszeit, aber auch vom Geschlecht und insbesondere vom „thermischen Trainingszustand“. Somit ist es sehr wichtig, die Stärke des Kaltreizes an den aktuellen Reaktionszustand der zu behandelnden Person anzupassen. Die Beachtung der Reizabstufung bedeutet mit Kneipps Worten: „Je gelinder, je schonender die Anwendungen gemacht werden, desto besser und wirksamer sind sie“. Beim „thermischen Training“ wird die Reizstärke bei regelmäßiger Anwendung unter Beachtung der Verträglichkeit gesteigert um an Kälte zu gewöhnen.

Aber auch ein anderer Effekt ist unter heutigen Gesichtspunkten eines stressigen Lebens bedeutend: Kaltes Wasser ist ein natürlicher Stressor, das heißt, es verursacht im Körper hormonelle Reaktionen wie bei psychischem Stress. So führt das Kaltwassertraining auch zu einer vermehrten Stressresistenz – auch dies hatte Sebastian Kneipp bereits erkannt: „Ein abgehärteter Körper besitzt den besten Schutz vor den Krankheiten der Seele“. Man kann zwar Probleme nicht weggießen, aber die Stärke der emotionalen Reaktionen auf Stress lässt sich reduzieren.

Es bleibt dabei: Wasser war und ist ein einfach zu handhabendes Naturheilverfahren, insbesondere in Verbindung mit den anderen klassischen Naturheilverfahren nach Pfarrer Kneipp: Probieren Sie es aus (bitte zunächst mit milden Reizen und nicht mit einem kalten Vollbad!) – und bleiben Sie gesund.

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