Die Pflanze des Monats März: Das Gänseblümchen

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Das Gänseblümchen (Bellis perennis), auch Maßliebchen, Bleichblume, Gänsebürstli, Himmelblume, Katzenblume, Märzresel, Monatsblümle, Möppelchen, Schafblümli, Tausendschön genannt, blüht eigentlich das ganze Jahr über; jetzt zum Übergang in den Frühling mit der zunehmenden Strahlkraft der Sonne kommen sie mehr und mehr zum Vorschein.

Das Gänseblümchen zählt zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es kommt auf Wiesen, von der Ebene bis in die alpine Stufe (bis etwa 2000 m) in fast ganz Europa vor.

Bevorzugt werden frische, nährstoffreiche Böden, oft sind es dichte Lehm- und Sandböden. Die kleine ausdauernde, krautige Pflanze wird in etwa 10–15 cm hoch und besitzt einen kurzen walzlichen Wurzelstock mit reichlichen Adventivwurzeln. Sie bildet grundständig eine Blattrosette mit rundlich bis spateligen oder rundlich-herzförmigen, gezähnten, selten auch ganzrandigen, einnervigen Blättern aus. Aus der Rosette entspringt ein längerer Blütenstiel. Auf diesem sitzen die einzelnen Blütenköpfchen mit ihren zwittrigen, gelben Scheibenblüten, die von weißen, an den Spitzen oft rötlichen, zungenförmigen Strahlenblüten umgeben sind.

Erwähnt wird das Gänseblümchen bereits 1543 im Kräuterbuch des Leonhard Fuchs, der es als Wundheilmittel, bei Gicht, Hüftweh und Kropf empfiehlt. Für Lonicerus, einem alten Kräuterheilkundigen des 16. Jhd. wirkten auf nüchternen Magen gegessene Gänseblümchen appetitanregend. In früheren Zeiten galt Gänseblümchen als Mittel gegen Fieber, Leberentzündungen sowie alle Arten von Schmerzen. Vermutlich wurde es auch bei Abtreibungen eingesetzt, was dazu führte, dass es nach einer Verordnung von 1793 ausgerottet werden sollte.

Wie manche andere Frühlingsblüten sprach man auch dem Gänseblümchen im Volksmund besondere Heilkraft zu. Durch ihren Genuss sollte man das ganze Jahr über vom Fieber verschont bleiben, zudem auch vor den „bösen Augen“. Drei mit dem Munde abgebissene und nicht mit den Händen berührte – magische Heilpflanzen ja nie mit den Händen berühren – Blumen sollten Magenbeschwerden vertreiben. An Johanni mittags um 12 Uhr ausgegraben und bei sich getragen würde einen gegen die Pest schützen.

Das Gänseblümchen ist eine Blume, die mit der Unschuld und Reinheit assoziiert wurden. Im frühen Christentum war es der Jungfrau Maria zugeordnet, was sich im Namen „Marienblümchen“ ausdrückt. Gemäß einer christlichen Legende entstand es aus einer Träne Mariens, die sie auf der Flucht nach Ägypten vergossen hat. Die rötliche Farbe an den Strahlenblüten im Übrigen rührt nach einer französischen Legende vom Blut des Jesuskindes, das sich an einem Dorn verletzt hat oder – in einer netteren Version – von dem Kuss her, dass es auf das Blütenköpfchen gab.

Vor der Christianisierung war das Gänseblümchen der Freia und der Ostara geweiht. Sie stand also in Beziehung zur Göttin der Liebe und der Frühlingsgöttin, die eine Personifikation der aufsteigenden Sonne im Frühjahr war. Als ein Verkünder des Frühjahrs wird das Blümchen in Schlesien auch Osterblümel genannt. „Wenn du mit einem Fuß auf sieben Gänseblümchen treten kannst, dann ist Frühling“, heißt es in England.

Das kleine Blümchen gilt als ein Symbol der Widerstandskraft. Ihre ausdauernde allen Widrigkeiten und Tritten widerstehende Kraft macht es zu einem Zeichen der Beständigkeit und auch des ewigen Lebens.

Der Gattungsname „Bellis“ ist vom lateinischen „bellus = schön“ abgeleitet. „Perennis“, ebenfalls lateinischen Ursprungs, bedeutet „das ganze Jahr hindurch, dauernd“ und bezieht sich auf die fast ganzjährige Blütezeit des Gänseblümchens. Der deutsche Name erinnert an den häufigsten Standort, die Gänseweiden. Aufgrund der gelben Blütenscheibe wurde das Gänseblümchen in den nordischen Ländern „Baldurs Auge“ oder „Baldurs Braue“ genannt. Für die germanischen Völker verkündete sich mit der sich öffnenden Blüte die Anwesenheit Baldurs, des schönen, von allen geliebten und lichtspendenden germanischen Sonnengottes.

Die Ernte ist das gesamte Jahr über möglich, im Allgemeinen erfolgt sie jedoch während der Blüte von Mai bis September. Um den Johannistag (24. Juni) soll die Pflanze ihre größte Wirkung entfalten, da sie dann auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung steht. Die Blüten riechen nach Heu und schmecken etwas fade leicht säuerlich und aromatisch. Das Drogenmaterial stammt aus Wildsammlungen, zumeist aus den Balkanländern.

Für einen Aufguss aus der Droge (Blüten und Blätter) werden 2 gehäufte TL auf ¼ Wasser gegeben, kochend übergossen und 10 min ziehen lassen. Gleiches gil für Umschläge oder Abreibungen. In der Volksmedizin wurden Auflagen teils auch aus den zerquetschten Blättern zubereitet.

Wie wirkt das Gänseblümchen und was wirkt?

Die Pflanze enthält als maßgebliche Inhaltsstoffe Triterpensaponine (Substanzen mit einer seifenähnlichen Wirkung) sowie Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Schleimstoffe, organische Säuren, wie Äpfel-, Essig- und Oxalsäure und etwas ätherische Öl.

Gänseblümchen regen den Stoffwechsel an. Aufgrund seines hohen Saponingehalts wirken sie auswurffördernd. Zudem zeichnet sich die Pflanze durch entzündungshemmende und adstringierende (Zusammenziehende, gerbende) Eigenschaften aus.

Gänseblümchenblüten werden bei Atemwegserkrankungen eingesetzt. Sie werden ferner als fiebersenkendes und entzündungshemmendes Mittel empfohlen. In der Volksheilkunde hat die Pflanze einen hohen Stellenwert.

Äußerlich wird die Blütendroge in Form von Abwaschungen und Auflagen bei Hauterkrankungen, z.B. Entzündungen und Furunkulosen, eingesetzt. Hierzu wurden neben Auflagen, getränkt mit Aufgüssen und Mazeraten, oder Abreibungen in der Volksmedizin auch zerquetschte Blätter verwendet. Eine gleichzeitig gleichzeitige Einnahme ist möglich. Angewendet wird das Gänseblümchen außerdem bei Kontusionen mit Blutaustritt. In diesem Sinne hat es sich auch in der Homöopathie bewährt. „Bellis perennis“ in der C12 oder C30, hier innerlich eingenommen, hilft bei dem im Liebestaumel erzeugten Hämatom, dem „Knutschfleck“.
Weitere volksheilkundliche Anwendungsgebiete sind auch Regelbeschwerden bzw. ausbleibende Regel sowie Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit – alle ohne wissenschaftlichen Beleg.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum

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