Die Pflanze des Monats Januar: GEWÜRZNELKEN

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Würziger Begleiter in der Winterküche und in der Heilkunde

Würziger Duft, süßer, leicht scharfer Geschmack: Nelken sind aus Weihnachtsbäckereien wie Lebkuchen und typischen Wintergerichten und -getränken nicht wegzudenken. Gebissen auf diese kleinen, harten Nägelein entfalten sie einen intensiven würzigen und leicht brennenden Geschmack. Doch in der Gewürznelke schlummern noch andere Potentiale: Sie gilt zum Beispiel als Wundermittel bei Zahnschmerzen. Warum das so ist, dazu kommen wir gleich. Doch zunächst sehen wir uns an, woher Nelken stammen, wie sie angebaut werden und welche Inhaltsstoffe sie auszeichnen.

Pflanzenkunde: Gewürznelken

 

Gewürznelken sind die Knospen des Gewürznelkenbaums (Syzygium aromaticum), die nach dem Pflücken in der Sonne oder gelegentlich in Metallpfannen über einem leichten Feuer getrocknet bis sie sich rötlich- braun färben werden. Sie sind vom Geruch würzig und süß. Die Ernte findet gewöhnlich zweimal im Jahr (Juli bis Oktober und Dezember) statt. Therapeutisch wird zumeist das Öl, das von klarer gelber bis brauner Farbe ist, genutzt. Es besitzt eine stark phenolische, auf Eugenol basierende Aromatik. Hauptlieferländer sind Tansania, Madagaskar, die Komoren und Malaysia.

 

Ein Gewächs der Tropen

Der Gewürznelkenbaum gehört zu den Myrtengewächsen (Fam. Myrtaceae) und ist auf den Molukken und den Philippinen beheimatet. Ursprungszentrum ist die vulkanische Inselkette von Ternate, Tidori, Mare, Moti und Makian, die westlich von Neu- Guinea liegen. In dieser Region sind auch heute noch wilde Gewürznelkenbäume anzutreffen. Ansonsten wird der Baum in vielen tropischen Regionen der Welt angebaut.

Vorkommen

Gewürznelken in der Natur

Die Früchte des Gewürznelkenbaums vor der Ernte (c) wikipedia

Die Pflanze bevorzugt nährstoffreichte, gut durchfeuchtete, aber wasserdurchlässige Böden. Der Gewürznelkenbaum ist ein ca. 10–20 m hoher, immergrüner, schlanker Baum mit einem Stammdurchmesser bis 40 cm. An seinen Ästen trägt er gegenständig angeordnet eiförmige, ganzrandige, ca. 5–15 cm lange ledrige Blätter, die durchscheinend punktiert sind. Die radiären in dreiteiligen Schirmrispen angeordneten, gelblich-weißen, ca. ½ cm großen Blüten wachsen aus den Blattachseln. Der Gewürznelkenbaum bildet 2,5-3 cm lange und bis 1,5 cm breite, einsamige Früchte aus. Die Gewürznelken sind die von Hand gepflückten, noch nicht entfalteten und anschließend getrockneten Blütenknospen.

Schon in der Ayurveda bekannt

Eine Beschreibung der Gewürznelken ist bereits in einem ayurvedischen Buch 1500 v. Chr. zu finden. Die Gewürznelken kamen im 4. Jh. mit den Arabern nach Europa und waren bereits 300 Jahre später ein wichtiger Bestandteil im damaligen Heilmittelschatz. Man nahm an, dass sie Herz, Haupt und Magen stärken. Sie galten in früheren Zeiten (gemäß der Säftelehre) wärmend und trocknend. Man nahm sie daher z.B. bei Ohnmachten, bei Rohigkeit des Magens, Schwindel, kalten Hirnkrankheiten, schwachem Gesicht sowie zur Vertreibung böser Mutterkrankheiten. Heute sind die Gewürznelken als Küchengewürz, für Kräuterkissen und aromatische Bäder beliebt.

Zur Bezeichnung der Nelken

Die Gattungsbezeichnung „Syzygium“ ist vom griechischen „Syzygios = gepaart, vereinigt“ abgeleitet, da die Blütenblätter zu einer Haube vereinigt sind. „Aromaticum“ kommt vom griechischen „aromaticos“ und „aroma = Gewürz, wohlriechendes Kraut“. Die deutsche Bezeichnung „Nelke“ ist abgeleitet von Nagel, bezugnehmende auf Finger- und Fußnägel; die Knospen erinnern in der Form an Nägel. Verwandte Worte sind in nahezu allen indoeuropäischen Sprachen zu finden.

Inhaltsstoffe von Gewürznelken

Nelken in der Verwendung als Gewürz

Getrocknete Nelken (c)
Thinkstock/iStockphoto

Gewürznelken enthalten 15–22% ätherisches Öl, u.a. mit der Hauptkomponente Eugenol (70–95%). Weitere Inhaltsstoffe sind 8–14% Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate und Flavonoide, Phytosterole, etc. Gewürznelken wirken antimikrobiell bzw. antiseptisch sowie lokalanästhetisch und krampflösend. Die Wirkung dürfte v.a. auf dem ätherischen Öl beruhen. Für Nelkenöl wurde eine antibakterielle Aktivität gegen mehrere Keime, u.a. gegen Escherichia coli, nachgewiesen. Eine Wirkung ist auch für Helicobacter pylorii sowie pathogenen Mundbakterien belegt. Wässrige Extrakte der Gewürznelken wirken antiviral. Die antifungale Wirkung bezieht sich auf Sprosspilze wie Aspergillus niger und Candida albicans. Für Eugeniin, einer Gerbstoffkomponente ließ sich ein antiviraler Effekt (Herpes-simplex-Viren) nachweisen.

Kleine Knospe mit heilender Wirkung

Das ätherische Öl hat lokalanästhetische und spasmolytische Eigenschaften. Gleiches gilt für die Droge, wenn auch in schwächerer Ausprägung. Nachgewiesen, wurden entzündungshemmende und ausgeprägte antioxidativen Eigenschaften. Gewürznelken sowie ihr ätherisches Öl haben möglicherweise eine protektive Wirkung bei Zufuhr von karzinogenen Stoffen. Gewürznelken wirken aufgrund ihres aromatischen Geschmacks appetitanregend und verdauungsfördernd. Das ätherische Öl und Eugenol wirken blähungswidrig. Vermutlich wird auch der Gallenfluss angeregt. Hinweise liegen für eine antidiabetische Wirkung, die auf einem Insulin-ähnlichen Effekt beruht.

Das ätherische Öl soll ferner beruhigende Eigenschaften besitzen. Eugenol hemmt in Untersuchungen die gefäßkontrahierende Wirkung von Noradrenalin und Histamin. Sympathikus- Reize werden abgemildert. Als weitere Wirkung wurde in Untersuchungen für Gewürznelkenöl sowie Eugenol ein hemmender Einfluss auf die Melaninbiosynthese (Farbpigmente der Haut) nachgewiesen. Möglicherweise ist hier zukünftig eine therapeutische Option zur Behandlung von Hyperpigmentierungen gegeben.

Ein natürlicher Helfer bei Zahnschmerzen

Gewürznelkenöl wird bei Entzündungen des Mund- und Rachenbereichs und zur lokalen Schmerzstillung in der Zahnheilkunde eingesetzt. Zudem wird es bei Myalgien (Muskelschmerzen) und rheumatischen Beschwerden (alkoholische Lösungen) angewendet. Das Nelkenöl wirkt gegen Mücken und Schaben. Aufgetragen auf einen Mückenstich vermindert es die entzündliche Reaktion.

In der Volksheilkunde wird eine schmerzlindernde Wirkung für die äußerlicher Anwendung bei Kopfschmerzen beschrieben. Möglicherweise ist auch ein Effekt bei Migräne gegeben. Abkochungen werden wegen ihrer adstringierenden Wirkung bei Blähungen und Diarrhö eingesetzt. Möglichweise kann Gewürznelkenöl bei Magengeschwüren hilfreich sein. Nachgewiesen wurden zumindest ein vorbeugender Effekt auf die Entstehung von Magengeschwüren sowie ein fördernder Einfluss auf deren Ausheilung. Dieser beruht auf einer Förderung der Schleimproduktion des Magens. Gewürznelken werden außerdem eingesetzt bei dyspeptischen Beschwerden sowie bei üblem Mundgeruch. Nelkenöl wird auch bei Brechreiz (Einzeldosis 0,05–0,2 ml) verwendet.

Nebenwirkungen: In konzentrierter Form ist eine Gewebereizung möglich. Gelegentlich kann es zu allergischen Haut- und Schleimhautreaktionen kommen.

Droge und Dosierung

Gewürznelken (Caryophylli flos). Gewürznelkenöl (Caryophylli aetheroleum). Positiv-Monographie der Kommission E. Gewürznelkenöl existiert in 3 verschiedenen Handelsformen – Nelkenblütenöl (Caryophylli floris aetheroleum Ph. Eur.), aus den getrockneten Blüten, Nelkenstielöl, aus den an den getrockneten Knospen sich befindenden Stielen, und dem von den Blättern des Baumes stammenden Nelkenblätteröl.

Die Dosis in Mundwässern entspricht 1–5% ätherischem Öl und ist für Erwachsene geeignet. Salben enthalten 10% ätherisches Öl.

Rezept: orientalischer Tee mit Nelken und Milch

Erwärmen Sie einen Liter Milch und geben Sie 4 EL losen, schwarzen Tee hinzu. Lassen Sie den Tee ca. 5 Minuten ziehen und geben Sie 1 TL Zimt, 4 Nelken und 1 Messerspitze Kardamom hinzu. Nach Belieben mit Honig, Agavendicksaft oder Rohrohrzucker süßen. Das Getränk absieben und servieren. Wärmt hervorragend an kalten Winterabenden.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum

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