Die Pflanze des Monats Dezember: INGWER

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Scharfe Wunderwurzel

Für manche ein unverzichtbarer Begleiter durch kalte Herbst- und Wintertage: der Ingwer. Unser Oberarzt hat sich ausführlich mit der scharf-aromatischen Wurzel beschäftigt.

Anbau von Ingwer

Der Ingwer (Zingiber officinalis) ist ein Vertreter der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) mit Heimat in Südostasien. Kultiviert wird er in vielen tropischen Gebieten der Erde; insbesondere auf Jamaika, in Südchina, Indien und Westafrika. Die Wildform des Ingwers ist unbekannt. Hingegen existieren viele Unterformen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Unter den zahlreichen Handelssorten (bezeichnet nach ihrer Herkunft) gilt der Jamaika- Ingwer am besten, ferner auch der Bengalische und Australische Ingwer. Zur Kultivierung benötigt Ingwer ausreichend feuchte, halbschattige Standorte mit fruchtbaren, aufgelockerten und lehmigen Böden im tropischen Klima ohne große Temperaturschwankungen.

Eigenschaften und Aussehen der Ingwer-Pflanze

Aus einem horizontal kriechenden, knollig-fleischigen, geweihartig verzweigten Wurzelstock treibt jährlich ein bis zu 1 m hoher, reich beblätterter, schilfartiger Spross, an dem endständig eine zapfenartige Blütenähre entsteht. In deren Achseln sitzen grünlich-gelbe, braunviolett punktierte Röhrenblüten. Die Blätter sind bis über 20 cm lang und von lineal-lanzettlicher Form. Der Ingwer blüht selten. Als Früchte bildet er eine fleischige beerenartige Kapsel aus mit wenig Samen.

Ursprünglich ein Gewächs aus China

In China wird der Ingwer bereits seit Jahrtausenden angebaut und medizinisch genutzt. Im Altertum gelangte er über die klassischen Handelswege in den Mittelmeerraum, wo er rasch als Gewürz und als Heilmittel geschätzt wurde. Wie bei Dioskurides (griechischer Arzt, der als Militärarzt den Kaisern Claudius und Nero im 1. Jh. n. Chr.) zu lesen ist, setzte man ihn zur damaligen Zeit bereits als Magenmittel sowie als Mittel gegen die Verdunklung der Augen ein. Im mitteleuropäischen Raum ist seine Verwendung seit dem 11. Jh. bekannt.

Verbreitung in Europa

Thai-Ingwer

Thai-Ingwer (c) Luc Viatour / www.Lucnix.be

Das Kloster Hirschau rechnete den Ingwer bereits zu dieser Zeit zu den gemeinen, also gängigen Gewürzen. Auch Hildegard von Bingen erwähnte die Pflanze. Paracelsus, etc. empfahlen seine Verwendung bei diversen Erkrankungen, u.a. bei Magenerkältungen, Magen-Darm-Schmerzen, Blähungskoliken, zur Anregung der Schweißbildung, gegen Zahnschmerzen, zur Förderung der Menstruation sowie als Abführmittel. Lonicerus schreibt dazu: „Imber ist gantz gut dem bösen Magen, ist gut wider Wehethum deß Magens und Gedärms, so von Winden kommen und macht wohl dauen.“ Auch als Aphrodisiakum wurde Ingwer geschätzt. Ab dem 18. Jh. geriet der Ingwer in Mitteleuropa in Vergessenheit. Durch die verstärkte Zuwendung zur asiatischen Küche erlebte er in den letzten Jahrzehnten eine Renaissance.

Vielseitige Verwendung in der Küche

Ingwer ist Bestandteil von zahlreichen Gewürzmischungen u.a. dem Curry. Viel verwendet wird der grüne Ingwer, dieser wird zu einem frühen Zeitpunkt nach etwa 5 Monaten (ansonsten 8-10 Monaten) geerntet. Sein Aroma und die Schärfe ist mild. Großteils wird der grüne Ingwer in Sirup oder Salzlake zwischengelagert und später entweder kandiert oder als Pickles eingemacht. Kandierter Ingwer wird in der Süß- Backwarenindustrie viel genutzt. Der in Sirup eingelegte Ingwer wird für die Herstellung von Marmeladen, Chutneys und Saucen benötigt. Ingwer- Öl ist wichtiger Bestandteil in der Getränke (u.a. Gingerale, Ingwerbier) sowie Parfümindustrie.

Woher kommt das Wort „Ingwer“?

Die deutsche Bezeichnung „Ingwer“ entwickelte sich aus Zingiber über althochdeutsch „gigiber“ und mittelhochdeutsch „Engeber, Ingwer, Inber“. Die Benennung der Wurzelknolle als Zingiber geht bis ins 1. Jh. n. Chr. zurück. Der Name Zingiber leitet sich aus dem Sanskrit von dem altindischen Wort „sringavera = geformt wie eine Horn“ und dem arabischen Namen „zinschabil = Wurzel“ ab.

Zusammensetzung des Ingwer-Saftes

Der Ingwerwurzelstock enthält ca. 5-8% eines zähflüssigen Balsams (Oleoresin), der aus einer nicht wasserdampfflüchtigen Scharfstoff- Fraktion sowie einer ätherischen Öl- Fraktion besteht. Das ätherische Öl, ist von abkunftsabhängig unterschiedlicher Zusammensetzung, u.a. enthält es das für den Geruch bedeutsame Zingiberol. Weitere maßgebliche Komponenten sind 1-2% Scharfstoffe (v.a. Gingerol). Diese fördern die Speichel- und Magensekretion und wirken gallefördernd. Hinzu kommen Diarylheptanoide, organische Säuren, Fette, Zucker, Schleimstoffe, etc. Der Ingwerwurzelstock hemmt die Magenmotilität und regt die Darmperistaltik an.

Natürliches Mittel gegen Übelkeit und Krämpfe

Die gastrointestinale Transitzeit, also die Zeit in der Nahrung durch den Magen- Darm- Trakt transportiert wird, beschleunigt sich. Zudem liegt ein krampflösender Effekt vor. Aufgrund der Scharfstoffe wirkt der Ingwer gegen Übelkeit. Ingwer- Extrakte zeigen entzündungshemmende, fiebersenkende und schmerzlindernde Eigenschaften. Sie greifen auf verschiedene Arten in den Entzündungsstoffwechsel ein. Die Droge wirkt ferner ausgeprägt antioxidativ. Hinzu kommen antibakterielle Effekte.

Zahlreiche medizinische Wirkungen

Eine weitere Eigenschaft von Ingwer ist ein leberprotektiver Effekt bei Schädigung der Leberzellen durch Alkohol sowie bestimmter Giftstoffe. Ferner zeigen sich eine blutdrucksenkende und positiv inotrope Wirkung (Verbesserung der Herzmuskelkraft) sowie eine Erweiterung der peripheren Blutkapillaren. Durch Hemmung der Plättchenaggregation wird die Blutgerinnung positiv beeinflusst. Ferner sind lipidsenkende Effekte nachgewiesen. Bei regelmäßiger Einnahme ist von antiarteriosklerotischen Effekten auszugehen. Hinweise liegen auf eine blutzuckersenkende Wirkung vor. Experimente legen eine stressmindernde Wirkung nahe. Ingwer hat antitumorale Effekte.

Weitere Einsatzgebiete

Ingwerwurzel wird eingesetzt bei dyspeptischen Beschwerden, subazider Gastritis und Appetitlosigkeit. Aufgrund ihrer Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen erweist sich Ingwer bei der Reisekrankheit sowie nach Operationen (Folge der Narkose) als nützlich. Therapeutische Effekte können bei Migräne gegeben sein. Mögliches Einsatzgebiet von Ingwer ist eine Hypercholesterinämie. Dabei zeigt sich ein synergistischer Effekt mit Cholesterin- senkenden Medikamenten (z.B. Atorvastatin), der zu einer Dosisreduzierung von letzterem führen kann. Die gleichzeitigen antihypertensiven und antidiabetischen Eigenschaften lassen Ingwer als ein geeignetes Mittel zur Prophylaxe und Therapie arteriosklerotischer Veränderungen und daraus resultierender Folgeerkrankungen erscheinen.

Nachgewiesen wurde ferner eine therapeutische Wirkung bei rheumatischen Erkrankungen, die auf den entzündungshemmenden Eigenschaften der Droge beruhen. Aufgrund der hautreizenden Wirkung der Scharfstoffe kann Ingwer reflektorisch in Form von Auflagen und Wickeln auf Beschwerden des Bewegungsapparates Einfluss nehmen.

Eine Studie zeigte außerdem, dass Ingwer sowohl in roher als auch in erhitzter Form Muskelschmerzen lindert.

Ingwer hilft beim Abnehmen

Ingwer regt außerdem den Stoffwechsel an und hilft damit, Kalorien zu verbrennen, wie eine US-Studie zeigen konnte. Außerdem wurde beobachtet, dass die Probanden, die jeden Tag Ingwer zu sich nahmen, weniger aßen. Ingwer kann also eine appetitzügelnde Wirkung attestiert werden.

Ingwer Tee zubereiten

Geerntet wird die Ingwerwurzel ca. 8-10 Monate, nachdem im Frühjahr ein Wurzelstück in die Erde gelegt wurde. Der Geruch ist aromatisch. Indischer, chinesischer und australischer Ingwer riecht zusätzlich leicht nach Zitrone. Die Ingwerwurzel schmeckt aromatisch, etwas scharf und leicht bitter.
Für einen Tee werden ½-1 TL (1 TL = etwa 3 g) der grob gepulverten Droge mit kochendem Wasser übergossen und 5–10 Min. ziehen lassen. 1 Tasse vor den Mahlzeiten. Als Antiemetikum werden 2 g (gestrichener TL) der Droge mit etwas Flüssigkeit eingenommen.

Ingwer als Hausmittel verwenden

geriebener Ingwer für Heilzwecke

Frisch geriebener Ingwer (c) Ulf Miers, Hennig Jäger

Für eine Ingwer- Auflage – bei chronische Gelenkserkrankungen, wie z.B. Rheuma sowie Gicht, Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Schulter-Arm-Syndrome – werden 3 EL frisch geriebener Ingwer oder 2 EL getrockneter, gepulverter Ingwer mit ½ l heißem Wasser übergossen und 3–5 Min. ziehen lassen. Baumwollenes Innentuch voll saugen lassen, auswringen und auflegen. Darüber Frotteetuch sowie Außentuch (Molton) auflegen. Den Patienten gut zudecken; evtl. Wärmflasche an die Füße legen. Die Anwendungsdauer- und –häufigkeit beträgt 1 x tgl. über einen Zeitraum von meist 5 Tagen mit anschließender 2-tägiger Pause vor nochmaliger 5-tägigen Anwendung. Die Auflage 20–40 Min. belassen. Anschließend mit Öl einreiben und mind. ½ Std. warm zugedeckt nachruhen.

Rezept: Kürbissuppe mit Ingwer

Dünsten Sie Kürbis zusammen mit Möhren, Zwiebeln und Ingwer in Butter an. Mit Brühe aufgießen und weich kochen lassen, dann pürieren. Kokosmilch zugeben, mit Salz, Pfeffer, Sojasauce und Zitronensaft abschmecken und nochmals erwärmen.

Siegfried Bäumler, OA im Kneippianum

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